08.-20.03.2020 Wiedervereinigung mit unseren Motorrädern in Kalifornien, Gestrandet in L.A.

Family Reunion in Kalifornien
Family Reunion in Kalifornien

Wir hatten uns ja schon gedacht, dass sich die Einreise in die USA etwas schwierig gestalten würde, vor allem wegen dem Corona Virus. Doch alleine Australien zu verlassen kostete schon etwas Nerven. In Perth beim Check-in wurden wir gleich schon mal nach unserem Visum für die USA gefragt. Da man keine Bestätigung darüber per Mail bekommt, mussten wir uns über das Handy des Mitarbeiters am Check-in auf der Regierungsseite der USA einloggen und unsere ESTA Genehmigungen (Visum) vorweisen. Dann mussten wir noch die Adresse angeben, wo wir die ersten Tage in den USA verbringen würden. Beim Zwischenstopp in Sydney wurden wir beim Eingang zum Gate kontrolliert und wir wurden von einem Beamten interviewt: Was wir in den USA machen werden, wie lange wir Reisen werden, wann wir wieder Ausreisen. Beim Boarding wurden wir zur Seite genommen und separat durchleuchtet. Dort mussten wir auch schon die Flugtickets für die Weiterreise vorzeigen, diese wurden dann sogar im System erfasst.

 

Nach über dreizehn Stunden Flug und sehr wenig Schlaf, kamen wir sogar eine halbe Stunde früher an als geplant. Doch der Zoll am Flughafen in L.A. macht erst um sechs Uhr morgens auf, so mussten wir eine halbe Stunde im Flugzeug warten, denn weder die Crew, noch die Fluggäste durften das Flugzeug vor sechs Uhr verlassen. Als es endlich soweit war, mussten wir uns mit allen anderen Passagieren der anderen Flugzeuge in einer langen Schlage vor den Kontrollen anstellen. Dank des ESTA Visums konnten wir direkt an einem Automaten unsere Pässe einscannen und Fingerabdrücke abnehmen lassen. Trotz des Corona Virus wurden hier aber keine Sicherheitsvorkehrungen oder Kontrollen vorgenommen. Nur ein paar Spender mit Desinfektionsmittel waren aufgestellt.

 

Dann ging es weiter zur nächsten Kontrolle. Wir standen an einer Schlange an und wurden wieder von einer Beamtin gefragt was wir in den USA machen und so weiter und sofort. Somit wurden wir zu einem Schalter geschickt, bei dem es noch mehr ins Detail ging. Die Beamtin dort nahm ihren Job sehr ernst und fragte uns komplett aus: Ob wir verheiratet sind, wie viel Geld wir haben, warum wir so lange Reisen können, wohin wir danach Reisen, etc. etc. Nach einer halben Ewigkeit waren wir dann endlich durch und hatten den langersehnten Stempel im Reisepass.

 

Bei der nächsten Kontrolle wurden wir nochmals (!) gefragt was wir in den USA machen etc. Also langsam war ja echt mal genug! Nach einer weiteren (zum Glück kurzen) Kontrolle waren wir dann endlich durch und aus dem Flughafen draußen! Willkommen zurück in Kalifornien!

 

Statt Sonne begrüßte uns ein grauer Himmel und Nieselregen. Super. Nach der Wiedersehensfreude mit unseren Pferdchen starteten wir einen Testlauf. Die BMW startete widererwartend nach drei Versuchen. Die Yamaha hingegen wollte nicht. Wir versuchten ein Batterieladegerät zu organisieren, leider ohne Erfolg. Am nächsten Tag sollten beide Maschinen in den Service. Doch diesmal gingen beide Motorräder in den Streik. Das war ja jetzt wohl nicht wahr! Alles Rödeln und Ruckeln half nichts. Sie wollten einfach nicht. Wir telefonierten durch halb Los Angeles um ein Batterieladegerät zu organisieren. Letztendlich wurde es dann mal wieder Amazon. Danach riefen wir bei ADAC an um uns zu erkundigen ob uns dort geholfen würde, falls es nicht an den Batterien läge. Dort wurde uns gesagt wir sollen direkt beim ADAC Partner in den USA anrufen, dem AAA. Gesagt, getan. Doch dort kannte man komischerweise den ADAC nicht und überhaupt, es werde nur Mitgliedern geholfen. Also blieb nur zu hoffen, dass es tatsächlich nur an den Batterien lag…

 

Am nächsten Morgen war das Paket mit dem Ladegerät glücklicherweise schon da. Wir hängten die Batterie der Yamaha sofort an und nutzten das gute Wetter um zum Supermarkt zu laufen. Nachdem wir etwas Zeit kaputt gemacht hatten, da wir uns ausgesperrt hatten und erst mal wieder in das Haus reinkommen mussten, war gegen Abend die Batterie der Yamaha geladen und wir konnten die BMW anhängen. Es regnete nachmittags mal nicht und so bauten wir unser neues Zelt probeweise in der Einfahrt auf. Wir freuten uns über unser neues zu Hause und hofften inständig, dass es bis zum Ende der Reise durchhalten würde. Den Aufbau müssten wir dann nochmal üben…

 

Guter Dinge und mit vollen Batterien, starteten wir am nächsten Morgen den dritten Versuch. Doch trotz voller Batterie sprang die Yamaha einfach nicht an. Die BMW hingegen schon, jedoch hatte sich über Nacht schon die dritte Öllache unter der Maschine gebildet. Es war doch zum Mäusemelken! Etwas ratlos riefen wir bei BMW an. Yamaha konnte, oder wollte uns nicht helfen. BMW gab uns die Nummer eines Mechanikers, der entweder vor Ort reparieren könnte oder uns ansonsten abschleppen würde. Erleichtert riefen wir den Mechaniker an. Doch dieser war gerade in seinem Urlaub in Mexiko! Wir konnten langsam nur noch Lachen. Das war jetzt ja wohl echt nicht wahr! Aber Fernando war sehr nett, und versprach uns Hilfe zu organisieren, denn er kannte noch ein paar Kumpels. Also setzten wir unsere gesamte restliche Hoffnung in den hilfsbereiten Mexikaner. So blieb uns nur abwarten und Tee bzw. Biertrinken. Mehr konnte bei dem Hundewetter sowieso nicht tun. Von wegen in Kalifornien scheint immer die Sonne…

 

Fernando hielt Wort und wir erhielten den Kontakt seines Kumpels, ein Yamaha-Mechaniker. Er konnte uns tatsächlich helfen und bot uns an den Service für Kai´s Yamaha sogar selbst durchzuführen. Zwei Tage später wurden die Motorräder dann abgeholt und zum Service gebracht. Na endlich! Nur bei BMW gab es dann doch noch eine schlechte Nachricht: Weder aus China, noch aus Deutschland können derzeit BMW-Ersatzteile geliefert werden. Na toll…

 

Die Situation bezüglich des Corona Virus in Europa beschäftigte uns sehr, zudem war mittlerweile ausgerechnet Kalifornien als Risikogebiet erklärt worden. Wir kontaktierten die deutsche Botschaft, waren danach aber genauso schlau wie vorher. Keiner wusste was passieren würde und wie wir uns nun verhalten sollten. Sollten wir wie geplant in die Nationalparks (Grand Canyon, Zion, Bryce etc.) fahren oder uns lieber eine Bleibe in L.A. suchen? Keiner konnte uns sagen wann und ob es zu einem „Lock-down“ kommen würde oder ob sogar die Grenzen geschlossen werden würden. Zu dem hatten wir Bedenken im Landesinneren an Lebensmittel zu kommen. Wir hatten deshalb vorsichtshalber einen Wasserfilter bestellt, um uns zumindest mit Wasser versorgen zu können. Des Weiteren war nur eine kurze Wetterbesserung in Sicht. Es war noch sehr kalt in den Nationalparks und es fiel teilweise Schnee oder Schneeregen.

 

Während wir auf unsere Motorräder warteten, ereilten uns stündlich neue katastrophale Neuigkeiten auf Grund des Corona Virus. Kanada hatte tatsächlich die Grenzen zu den USA dicht gemacht, die Lage in Kalifornien spitzte sich immer weiter zu und ein „Lock-Down“ in den USA wurde immer wahrscheinlicher. Wir versuchten zwar uns von der ganzen Panik-Mache nicht zu sehr beeinflussen zu lassen, aber wir machten uns langsam schon ernsthaft Gedanken um unsere weitere Reise. Zudem kursierte das Gerücht über ein nationales Reiseverbot innerhalb der USA.

 

In L.A. waren mittlerweile auch sämtliche Restaurants, Bars etc. zugemacht worden und die Mitarbeiter vieler Firmen wurden ins Home-Office geschickt. So auch unsere Mitbewohner.

 

Sobald es das Wetter zuließ gingen wir einkaufen. Mittlerweile musste man dazu Zeit einplanen, da man sich in eine Schlange einreihen musste, um überhaupt den Supermarkt betreten zu können. Wir kamen uns vor wie im falschen Film. Da konnte man langsam einfach nur noch drüber lachen! Zudem bekam man fast nichts mehr im Supermarkt. Unsere Camping-Grundnahrungsmittel wie Nudeln und Tomatensauce waren schon lange ausverkauft, aber nun ging es auch an Milchprodukte, Fleisch & Co. Das war langsame wirklich nicht mehr lustig.

 

Nach einem weiteren Frühstück ohne Eier (gab es nirgends mehr zu kaufen), was besonders für Kai sehr schlimm war (und für den Hund Pablo), schien zum ersten Mal seit Tagen die Sonne. Wir drehten eine große Runde mit Pablo, unserem vierbeinigen Mitbewohner, und genossen das Wetter. Da ging es einem doch schon gleich viel besser. Doch dann kam der nächste Tiefschlag: Ausgangssperre in ganz Kalifornien! Niedergeschlagen verfolgten wir die Nachrichten. Nur die tägliche Bierration und ein WG-Filmeabend konnte uns etwas aufmuntern. Nach jedem Bier wuchs unsere Hoffnung wieder ein bisschen mehr, dass wir trotz des „Lock-down“ doch noch irgendwann unsere Reise würden fortsetzen können.

 

Wir trauten uns am nächsten Tag kaum die Nachrichten anzuschauen. Alles wurde geschlossen. Neben Läden, Museen etc. nun auch noch die Nationalparks! Wir hatten zwar noch etwas Hoffnung, unsere Reise nicht abbrechen zu müssen, doch diese Hoffnung wurde tagtäglich immer mehr zerstört. Wir waren nun so weit gekommen, mussten wir nun wirklich wegen dem Virus unsere Weltreise abbrechen? Könnten wir überhaupt unsere Motorräder kurzfristig von Los Angeles nach Hause schicken? Oder sollten wir einfach noch ein bis zwei Wochen abwarten und dann entscheiden? Was würde zu Hause passieren? Müssten wir dann in Quarantäne? Dürften wir nach eineinhalb Jahren überhaupt unsere Familien und Freunde wiedersehen?