13.-30.4.2019 Surfersparadise in Playa Venao, Weiterfahrt nach Costa Rica

 

Auf dem Weg von Colon nach Playa Venao an der Pazifikküste, fuhren wir einmal über den Panamakanal. Eigentlich wollten wir zu einem Lookout namens „Pedro Miguel“ aber vor Ort sagte man uns (hingegen den Beschreibungen im Internet), dass dieser Lookout nicht für Touristen geöffnet wäre. Wir müssten zu dem Lookout „Miraflores“, dieser kostet aber 20$ Eintritt. Deshalb beließen wir es dabei einfach über die Brücke zu fahren. Mit einem Übernachtungsstopp im Motel „Residencial Aguadulce“ kamen wir am nächsten Tag bei 35 Grad in Playa Venao an. Eigentlich wollten wir direkt am Hauptspot übernachten, dort war aber alles sehr teuer (28$ für´s Campen – nein Danke!). Deshalb steuerten wir das Hostel & Camping „Venao Cove“ an. Dort schlugen wir für 7$/Person die Nacht unser Zelt auf. Einkaufsmöglichkeiten waren begrenzt. Es gab einen kleinen, völlig überteuerten, Minimarket und eine Panaderia (Bäckerei), sowie ein paar Kleinigkeiten im Hostel zu kaufen. Dafür kam alle paar Tage ein „Fruit & Veggy Truck“ vorbei, mit relativ humanen Preisen. Durch Zufall fanden wir heraus, dass man sich, aus dem eine Stunde entfernten Pedasí, auch Lebensmittel liefern lassen konnte – für 7$. Diesen Service nahmen wir dankend in Anspruch und versorgten uns mit allem was wir neben Obst und Gemüse benötigten. Und natürlich Bier und Fleisch für Kai.

 

Die Regenzeit stand kurz bevor und es war alles sehr trocken und verbrannt. Laut den Fotos im Internet sollte das Wasser türkisfarben und der Strand weiß sein – war es leider nicht. Dafür waren die Wellen gut und es gibt sogar drei verschiedene Spots. So mussten wir gar nicht weit laufen um zum Surfen zu kommen. Das „Venao Cove“ bietet für das Geld recht viel: Große Küche mit Aufenthaltsbereich und zwei Chillareas mit Hängematten. So ließ es sich durchaus aushalten und wir blieben mal wieder länger als geplant. Wir lernten sehr nette Leute kennen, auch viele Langzeitreisende und hatten tolle Surfsessions zusammen. „Wildlife“ gab es auch genug: Affen brüllten morgens und abends, diese sahen wir auch ab und zu in den Bäumen, Krabben bevölkerten den Strand und im Wasser tummelten sich an manchen Tagen leider unzählige Quallen, die man bei jedem Paddelschlag spürte. Verbrennungen hatten wir somit alle immer wieder. Eine Qualle schaffte es sogar unter mein Lycra. Das brannte wie Hölle. Am Tag davor hatte ich mir schon die Finne in den Oberschenkel gerammt. Zum Glück ist die Finne recht stumpf, sodass es nur einen leichten Cut gab. An manchen Tagen sollte man halt einfach besser in der Hängematte bleiben…

 

Es gab nur eine Sache die richtig nervte. Ein psychisch angeknackster Vogel. Er wurde wohl mal von der Katze verletzt und seitdem hat er eine Schraube locker. Er hielt sich sogar in der Küche auf und piekte uns völlig unverfroren aus dem Nichts in den Rücken. Wir hatten sogar schon ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Doch weder die Katze, noch die Hunde machten Anstalten ihn sich zu schnappen. Wahrscheinlich hatten sogar die Respekt vor ihm…

 

In Venao ließ sich die „Semana Santa“ (Osterwoche) sehr gut aushalten. Es hatte nur drei Tage (Karfreitag bis Ostersonntag) laute Musik am Strand und abends ein Festival im Ortskern (Musik bis morgens um 7). Es war eine neue und interessante Erfahrung bei schallender Reggaeton bzw. Techno Musik surfen zu gehen. Sonst war es relativ ruhig. Nur meine kaputte Matratze raubte mir den Schlaf. Drei Kammern hatten sich verbunden und so lag ich entweder links oder rechts vom „Wulst“. Der Hersteller Exped hatte uns Ersatz zugesichert, wir hoffen es bleibt nicht wieder im Zoll hängen wie unser Kitematerial…

 

Je nach Tidenstand gingen wir surfen, entspannten in der Hängematte und arbeiteten am Laptop. Kai surfte seine ersten richtigen Barrels (hohlbrechende Welle in der der Surfer komplett verschwindet) und auch ich machte immer mehr Fortschritte und kämpfte mich durch die Wellen ins „Lineup“ zu den anderen Surfern.

 

Eigentlich wollten wir noch einen Ausritt machen durch den Regenwald. Doch die Pferde waren in den Bergen auf Futtersuche (an der Küste ist ja alles verbrannt) und danach nicht mehr auffindbar. Als sie dann endlich gefunden wurden, hatte sich ein Pferd wohl einen Schnupfen in der Höhe zugezogen und so fiel der Ausritt wieder ins Wasser.

 

Nach zwei Wochen schafften wir dann doch den Absprung und fuhren weiter. Auch wenn wir uns schon sehr an Playa Venao gewöhnt hatten. Da wir länger geblieben waren als gedacht, hatten wir uns dazu entschlossen an keinem weiteren Spot mehr in Panama Halt zu machen, sondern direkt nach Costa Rica weiterzufahren. So übernachteten wir auf dem Weg eine Nacht auf dem Campingplatz „Buena Esperanza“ hinter Santiago. Dort schlugen wir unser Zelt direkt unter einem riesigen Mangobaum, neben einem kleinen See, auf. Doch leider brach beim Aufbau eine Stange durch. Nachdem schon ein Kissen und eine Matratze schlapp gemacht hatten, ging nun auch noch das wertvollste kaputt: Unser Zuhause! Wir reparierten es notdürftig mit einer mitgelieferten Hülse und hofften inständig, dass keine weitere Stange mehr brechen würde. Dann hätten wir nämlich nichts mehr zum Flicken… Wir saßen etwas rastlos und verärgert auf den Stühlen und beobachteten die Locals, die auf den Mangobaum kletterten und Früchte ernteten. Wir bekamen auch welche ab und genossen so frisches Bio-Obst direkt vom Baum. Nach einem Spaziergang um den See war uns dann auch klar warum uns immer wieder der süße Gestank der Verwesung in die Nase stach – es lag eine tote Kuh auf der Weide! Am nächsten Morgen schauten uns ganz viele Schildkröten beim Frühstück zu und wir genossen die Ruhe und Stille am See. Wir gaben dem Campingplatzwart eine kleine Spende (das Campen an sich war hier umsonst), dann ging es für uns weiter nach David für die letzte Übernachtung vor der Grenze zu Costa Rica. Dort bekamen wir dann auch zum ersten Mal die beginnende Regenzeit zu spüren: Wir wurden nach dem Einkaufen ordentlich geduscht! Danach musste Kai erst mal seinen Blinker reparieren – dieser war (wahrscheinlich aus Solidarität zur BMW) während der Fahrt abgebrochen…

 


6.-13.4.2019 Relaxen auf den San Blas Inseln, Fortsetzung des Verschiffungskrimis in Panama

 

Wir hatten es tatsächlich geschafft. Am 6.4. betraten wir endlich das Segelboot in Cartagena auf dem wir nach Panama segeln würden. 5 Tage ohne Internet, einfach nur relaxen und die Seele baumeln lassen. Doch die offene See ist nun mal kein Binnengewässer wie der Bodensee. Vor dem Segeltrip hatten wir nur zur Sicherheit Tabletten gegen Seekrankheit gekauft, dass wir diese tatsächlich einnehmen würden, hatten wir nicht gedacht. Und das, obwohl wir anscheinend Glück hatten und es „nur“ 2 Meter hohe Wellen hatte. Nachdem sogar die Köchin (man muss dazu sagen, dass es ihr erster Segeltörn war) Fische fütternd über der Reling hing, konnten wir dank der Medikamente das Bordleben doch genießen. Zwei Tage verbrachten wir auf offener See. Immer wieder wurden wir von Delfinschulen begleitet und saßen auf Deck um die Weite des Ozeans zu genießen. Wir hatten Glück mit dem Wetter und mussten eher aufpassen uns nicht zu sehr zu verbrennen. Unsere zwei britischen Mitsegler lagen während der Überfahrt an Deck und verwandelten sich langsam in Hummer. Die nächsten Tage verbrachten sie wohlweislich im Schatten. Der Sternenhimmel auf See war einfach unglaublich und das fluorisierende Plankton funkelte wie Diamanten in der aufkommenden Gischt. Einfach ein magischer Augenblick. So etwas hatten wir noch nie in unserem Leben gesehen.

 

Wir hatten Glück mit der Gruppe. Wir waren insgesamt acht Gäste und drei Crew Mitglieder. Alle total nett und super entspannt. Die Köchin gab ihr Bestes und so aßen wir gesund und gut wie schon lange nicht mehr. Von Pancakes und Obst zum Frühstück, über Reis mit Gemüse und Fleisch zu Mittag, bis zu Red Snapper zu Abend. Das ließ wirklich keine Wünsche offen.

 

Auf den Inseln angekommen, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus: Kleine Inseln über und über bewachsen mit Kokospalmen, weiße Sandstrände und türkisfarbenes Wasser. So hatten wir uns die Karibik vorgestellt! Auch die Unterwasserwelt war wunderschön. Die Riffe waren zum Großteil noch intakt und beherbergten eine große Fischpopulation und bunte Korallen. Einen Abend machten wir ein Lagerfeuer am Strand und suchten im seichten Wasser nach fluorisierendem Plankton. Dieses funkelte dann wie Sterne in den Händen und Kai im Gesicht.

 

Die Einreise nach Panama fand offiziell auf der Insel El Porvenir statt. Es zog sich zwar über mehrere Stunden hin, aber wir konnten währenddessen in der Hängematte chillen, baden und Mittagessen. So eine relaxte Immigration hatten wir auch noch nie erlebt. Das Ausreiseticket aus Panama (es wurde uns empfohlen eines vorzulegen, da Panama dies meist fordert um sicher zu gehen, dass man das Land auch wieder verlässt) mussten wir nicht vorzeigen. Wir hatten sicherheitshalber einen Flug nach Mexiko reserviert, um dies als Bestätigung der Ausreise vorzeigen zu können.

 

Da wir nicht wie geplant am 11.4. morgens in Puerto Lindo / Panama ankommen würden, sondern erst gegen Abend, bot der Kapitän uns an noch eine Nacht auf dem Boot zu bleiben. Da Colón wohl die gefährlichste Stadt Panamas ist, hielt er es nicht für ratsam, wenn wir im Dunkeln dort ankommen. Das Angebot nahmen wir dankend an und genossen so noch eine Nacht im Hafen von Puerto Lindo, bevor es am nächsten Tag früh morgens um halb sechs direkt zum Hafen nach Colón ging. Dort trafen wir uns um halb acht mit den Spaniern, unseren Verschiffungspartnern. Die Argentinier bzw. Brasilianer sollten eigentlich auch dazukommen, hatten es aber nicht rechtzeitig geschafft. Wir erfuhren, dass sie noch etwas Stress hatten mit dem verfliegen ihres Hundes. Und auch mit diesem in einem öffentlichen Bus vom Flughafen in Panama City nach Colón zu fahren, war ein Ding der Unmöglichkeit, da es nicht erlaubt ist. So wurde es eine knappe Geschichte, da wir vor 11 Uhr die Prozedur starten mussten, sonst müssten wir (es war Freitag) bis Montag warten, da am Wochenende der Zoll nicht arbeitet. Zum Glück waren sie um neun Uhr endlich da und der Papierkrieg ging los. Es fehlte zuerst einmal ein Stempel auf dem Einreisepapier des Containers („Bill of Landing“). Danach ging es zu verschiedenen Stellen um diverse Stempel und Papiere zu bekommen. Da das Hafengelände recht groß ist, mussten wir uns mit einem Taxi fortbewegen. Um 14 Uhr bekamen wir dann endlich unsere Motorräder bzw. Busse wieder. Leider war bei der BMW der Blinker abgebrochen und jemand hatte versucht die BMW Embleme zu klauen. Bei dem einen VW Bus wurde sogar versucht einzubrechen! Dafür, dass in Kolumbien so ein Tamtam gemacht wird mit Polizei und Versiegelung des Containers, war es uns unverständlich warum wir bei der Öffnung des Containers in Panama nicht dabei sein durften. Und das, obwohl es hieß, alle müssen zur gleichen Zeit vor Ort sein! Genau in der Zeit musste es passiert sein. Sehr ärgerlich! Völlig verschwitzt bepackten wir dann unsere Motorräder wieder (wir hatten zum Glück alles in den VW Bus der Spanier lagern können, sonst wäre davon bestimmt auch noch etwas abhandengekommen…) und fuhren die sechs Kilometer bis zum Hotel. Dort wurden unsere Befürchtungen wahr (obwohl es uns schriftlich zugesichert wurde): Es gab keine gesicherten Parkplätze! Wir würden sicherlich nicht unsere Motorräder draußen auf der Straße stehen lassen! Wir hatten dann nur zwei Optionen: Entweder ein teureres Hotel neben an zu nehmen (dort hatte es zumindest einen bewachten Parkplatz) oder eine halbe Stunde zum nächsten Campingplatz zu fahren. Da es schon später Nachmittag war, das Licht der BMW zudem nicht mehr funktionierte und wir völlig k.o. waren, entschieden wir uns für Option 1. Die Wachmänner waren sehr nett und versicherten uns gut auf unsere Motorräder aufzupassen. Zum Einkaufen um die Ecke konnten wir uns noch alleine fortbewegen. Zum Geldautomaten wurden wir dann jedoch begleitet. Sicher ist sicher. Es ist einfach zu gefährlich!

 

Nachdem wir uns etwas ausgeruht und alles wieder umgepackt hatten, ging es dann am nächsten Tag endlich wieder on Tour. Wir verließen die Karibikküste und machten uns auf Richtung Pazifik. Nach fast 6 Wochen wollten wir endlich wieder Surfen!