Reiseblog Mexiko

11.10.- 24.10.2019 Der Golf von Kalifornien und der Norden der Baja

Vom Motorrad direkt ins Wasser
Vom Motorrad direkt ins Wasser

Von La Paz ging es weiter gen Norden durch eine sehr ausgetrocknete Wüstenlandschaft. Nachdem es stundenlang nur geradeaus ging, freuten wir uns über die ersten Kurven an der Küste. Die Landschaft veränderte sich und wurde grüner.

 

In Loreto wollten wir uns den Kitespot anschauen und je nach Wind ein paar Tage bleiben. Wind hatte es. Und zwar nicht zu wenig. Nur hatte Kai nach fast 20.000 Kilometern direkt vor dem Hostel den ersten Platten auf dem gesamten Trip! Somit war erst mal arbeiten angesagt. Zum Glück gab es direkt in der Straße einen Reifenhändler der in Null Komma nix den Reifen von der Felge gelöst hatte und mit Kai zusammen die Ursache des Plattens fand: Ein ganz kleines Stückchen Draht aus einem alten Reifen (es liegen sehr viele kaputte LKW und PKW-Reifen auf den Straßen). So war der Platten nach wenigen Stunden schon behoben und wir konnten zumindest den Sonnenuntergang mit Bier am Wasser genießen.

 

Für den nächsten Tag war kein Wind angesagt und so fuhren wir weiter, entlang einer unfassbar schönen Küstenstraße, bis Mulegé. Davor passierten wir einsame Buchten mit weißen Sandstränden und türkisfarbenem Wasser. Wenn für die darauffolgenden zwei Tage kein Regen und Sturm angesagt gewesen wäre, wären wir sofort dortgeblieben. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

 

Zwei Tage verbrachten wir in Mulegé und warteten ab was das Sturmtief machte. Die Vorhersagen waren nicht eindeutig, ob das Tief sich zu einem Zyklon formieren würde oder nicht. Letztendlich kam aber nur Regen und ein bisschen Wind. Wir erfuhren aber von Gunnar (dem deutschstämmigen Kanadier), dass es in La Ventana sehr heftig geregnet hatte.

 

Nachdem das Tief abgezogen war, fuhren wir zum Strand Santispac, eine der Buchten die wir auf der Herfahrt gesehen hatten. Wir bauten das Zelt unter einer großen Palapa auf (Unterstand aus Palmenblättern) und chillten und badeten zwei Tage was das Zeug hielt. Nachmittags ging es dann zum „Biertreiben“ (Baden mit Bier). Abends bestaunten wir den unglaublichen Sternenhimmel. Solange der Mond noch nicht aufgegangen war sah man sogar die Milchstraße! Am letzten Abend lernten wir noch zwei Südtiroler kennen und tauschten unsere Erfahrungen aus. Sie fahren von Alaska nach Argentinien.

 

Nachdem unsere Vorräte komplett aufgebraucht waren, fuhren wir weiter gen Norden. Bei einem Übernachtungsstopp in El Marzal stockten wir unsere Vorräte wieder auf. Am nächsten Tag wollten wir ordentlich Strecke machen. Zum ersten Mal seit langem froren wir wieder auf dem Motorrad und ich musste sogar meine Griffheizung anmachen. Auf dem Weg passierten wir ein paar Baustellen. Die Umleitung bei einer Baustelle war so schlecht (sehr tiefer Sand), dass wir mit unseren bepackten Motorrädern Mühe hatten ohne Sturz durchzukommen. Völlig angespannt und hochkonzentriert saßen wir auf unseren Rössern und wurden dann noch von einem Hund verfolgt, der aber zum Glück bald wieder von uns abließ.

 

Kurz nach einem Tank- und Kaffeestopp sah ich per Zufall einen blauen Sprinter aus Sankt Gallen – das mussten doch „Whale on Trail“ sein! Mit den beiden Schweizern hatten wir schon seit geraumer Zeit über Instagram Kontakt und wir wollten uns sowieso auf der Baja treffen. Da sie aber kein Internet hatten, hatten sie unsere Nachricht nicht gelesen. Wie der Zufall es so wollte trafen wir uns dann Mitten im Nirgendwo an einem Restaurant. Fast zwei Stunden tauschten wir uns aus, dann fuhren wir weiter gen Norden, die andren beiden gen Süden. Wir hätten gerne noch ein paar Tage mit den beiden verbracht, aber wir fuhren in entgegengesetzte Richtungen und es gab im Umkreis nichts, wo wir hätten bleiben können.

 

Eine Stunde fuhren wir noch weiter durch die Wüste bis wir ein Restaurant mit angeschlossenem Hotel fanden. Dort erlebten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang in der Wüste und bestaunten den unglaublichen Sternenhimmel.

 

Weiter ging es nach El Rosario. Wir fuhren auf schönen Straßen durch die Berge. Nur musste man verdammt aufpassen nicht von entgegenkommenden Fahrzeugen abgeschossen zu werden. In El Rosario fanden wir ein Motel, welches zum Glück nicht ganz so teuer war. Die Preise zogen nämlich Richtung Norden spürbar an, da man sich mit jedem Kilometer den USA näherte. Wir lernten sehr nette Reisende aus Kalifornien und Kanada kennen und wurden mit Muffins und Donuts versorgt. Hartmut (ursprünglich aus Süddeutschland), lebt seit Jahrzehnten in Kanada, Schwäbisch kann er aber trotzdem noch. Er und seine Frau luden uns am nächsten Tag zum Mittagessen ein. Wir hatten beschlossen uns einen Tag Pause zu gönnen und wollten auch die gute Internetverbindung nutzen um die Route in Kalifornien zu planen. Wir kamen der Grenze ja immer näher.

 

Ausgeruht ging es weiter nach Ensenada. Dort wollten wir Surfen gehen. Ich ging zum Strand um nach den Wellen zu sehen und trat in die einzige Biene weit und breit. Der Pazifik ist im Norden der Baja relativ kühl, weshalb ich mich zum Wellen beobachten ins Wasser stellte um meinen Fuß zu kühlen. Da die Wellen leider nicht surfbar waren, nutzten wir das gute Internet der Unterkunft um weitere Planungen anzustellen Wir hatten nämlich einen Storage in Los Angeles gefunden und wollten nun schon Mal nach Flügen nach Australien suchen. Dort würden wir den Winter verbringen.

 

Wir lernten eine Kanadierin kennen, die ebenfalls mit dem Motorrad unterwegs ist. Sie will von Nord nach Süd fahren. Sie hing schon ein paar Tage in Ensenada fest, da sie auf Teile für ihr Motorrad wartete. Wir nutzten die Zeit und tauschten Reisetipps aus. Dann stand der Abschied von Lateinamerika unmittelbar bevor. Über ein Jahr waren wir nun schon unterwegs und wir waren etwas wehmütig. Aber wir freuten uns nun auch auf die USA und Australien.

 

Am Tag der Abfahrt streikte meine BMW. Nach einigen Anläufen und viel Geduld sprang sie dann an. Hätten wir gewusst, was an diesem Tag noch auf uns zukommen würde, wären wir in Ensenada geblieben. Vielleicht wollte meine BMW deshalb nicht, dass wir an diesem Tag über die Grenze in die USA fahren…


03.10.- 11.10.2019 Mit der Fähre auf die Baja California, Kitesurfen in La Ventana und Sightseeing in La Paz

Camping im Kitesurfparadies La Ventana
Camping im Kitesurfparadies La Ventana

Mit einem Übernachtungsstopp in Tepic ging es weiter nach Mazatlán. Auf dem Weg passierten wir Mautstellen, die von Einheimischen besetzt waren. Ein sehr merkwürdiges Gefühl. Nach dem Check-in im Hotel in Mazatlán ging es durch die brütende Hitze direkt zu Baja Ferries. Wir hatten Glück und ergatterten zwei Plätze auf der Fähre für den nächsten Tag. Zu dem Zeitpunkt fuhren nur Cargo Fähren und keine Touristen Fähren. Es würde also keine Kabinen geben. Brauchten wir aber sowieso nicht.

 

Wir erfuhren, dass unser zweiter Artikel veröffentlicht wurde (https://www.schwaebische.de/landkreis/bodenseekreis/friedrichshafen_artikel,-von-chile-bis-nach-alaska-_arid,11121707.html) und stießen abends mit einem Bier an der Uferpromenade beim Sonnenuntergang darauf an.

 

Um halb zwei am nächsten Tag ging es dann zur Fähre. Nach dem Wiegen der Motorräder wurden die Bikes von einem Drogenhund durchgecheckt. Dann hieß es erst mal warten bis wir endlich auf die Fähre fahren durften. Auf der Fähre mussten wir dann die Motorräder mit unseren eigenen Zurrgurten verzurren. Es wurden keine gestellt. Mit Sack und Pack ging es dann an Deck. Dort dämmerte uns dann, dass dies definitiv keine romantische Überfahrt werden würde wie nach Sardinien. Es gab einen sehr kleinen Raum mit Stühlen, sowie einen kleinen Essensraum. An Deck gab es noch zwei Bänke und Tische. Da wir so viele Leute waren gab es nicht genug Platz, dass sich alle zum Essen hinsetzen konnten. Wir harrten so lange wie möglich an Deck aus bis wir dann doch unsere Stühle aufsuchten und einen Film anschauten. Besser gesagt versuchten. Denn der Film der in dem Raum lief war so laut, dass man kaum sonst etwas verstand. Zudem war die Klimaanlage auf Kühlschranktemperatur eingestellt. Zumindest teilte das Boardpersonal Decken aus, damit man nicht erfror. Um drei Uhr nachts kam dann endlich ein Angestellter und machte den Fernseher aus. So konnte man wenigstens etwas schlafen.

 

Das Frühstück war sehr gut und wir verbrachten die restliche Zeit an Deck. Nach über 18 Stunden war es dann endlich soweit: Wir liefen in den Hafen von La Paz ein. Doch das Entladen der Fähre dauerte nochmals eine Stunde. Dann durften wir endlich von der Fähre fahren. Nachdem wir die Hafengebühr (ca. 4 Euro pro Motorrad) gezahlt hatten, mussten wir uns in die Schlange zum Durchcheck einreihen. Es war unfassbar heiß und wir hofften nicht jetzt auch noch alle Packsäcke und Koffer öffnen zu müssen. Aber die Beamten hatten Erbarmen mit uns und ließen uns recht bald weiterziehen. Wir fuhren zu einem der bekanntesten Strände der Baja: Playa Balandra. Da es Samstag war, war natürlich die Hölle los und der Strand dadurch nicht ganz so schön. Deshalb machten wir nur eine kurze Mittagspause und fuhren dann weiter nach La Ventana.

 

In La Ventana installierten wir uns auf einem kommunalen Campingplatz und freuten uns über die Nachricht, dass für die kommenden zwei Tage tatsächlich Wind angesagt war. Die „Snowbirds“ (US-Amerikaner und Kanadier die den Winter in Mexiko verbringen) empfingen uns sehr freundlich und pünktlich zum Bier kam Gunnar (aus Deutschland, lebt seit Jahrzehnten in Kanada) um die Ecke. Ein paar Bier später hatte keiner mehr Lust auf Kochen und so gingen wir in Gunnar´s Stamm Taqueria (Restaurant, in dem Tacos serviert werden). Dort bekamen wir erst einmal einen Schock: Ein Taco kostete hier das dreifache von dem was wir auf dem Festland gezahlt hatten. Den Luxus würden wir uns also nicht zu oft gönnen.

 

Die nächsten zwei Tage kam tatsächlich Wind und wir waren über glücklich. Am zweiten Tag hatte es sogar so viel Wind, sodass ich bis zum späten Nachmittag warten musste um überhaupt mit dem 9er Kite (unser kleinster Kite im Gepäck) rausgehen zu können. Nachmittags setzten wir uns mit Gunnar immer zur Happy Hour zusammen und abends bekochten wir uns gegenseitig mit Tacos. Am letzten Abend gab es sogar Fisch-Tacos mit frischem Fisch aus dem Dort. Unglaublich gut! Dazu gab es einen „Baja Fog“ (Bier mit Tequila und Limette). Also zum Wohl, oder besser gesagt „Fog you!“.

 

Da für die darauffolgenden Tage kein Wind angesagt war, packten wir nach drei Tagen wieder alles zusammen und wollten weiterfahren nach La Paz. Doch ein Bienenschwarm, der sich in dem Baum über unserem Zelt am Tag zuvor eingenistet hatte, gefiel es wohl nicht, dass wir gingen. Sie wurden immer wieder aggressiv und schwärmten zu uns aus. Da Kai am Vortag schon zwei Stiche abbekommen hatte, gingen wir lieber langsamen Schrittes weg vom Zelt und warteten, bis sich die Bienen wieder beruhigt hatten. Als wir endlich fertig waren ging es mal wieder an das obligatorische Stiefel ausklopfen. Diesmal fiel zwar nicht direkt etwas aus dem Stiefel, dafür hatten sich jeweils unter den Schnallen Mini-Ameisen eingenistet. Natürlich mal wieder mit ihren Eiern. Na super! Das Insektenspray war natürlich wieder ganz unten im Koffer und die Motorräder schon voll bepackt. So versuchten wir unser Glück mit Deo. Und siehe da: Es schien zu funktionieren! Durch die vielen Unterbrechungen und Hürden, wurde es immer später und wir fuhren mal wieder schön durch die Mittagshitze. In La Paz angekommen wurde es aber noch heißer: 37 Grad im Schatten!

 

In La Paz feierten wir unser einjähriges Reisejubiläum, schauten uns die Stadt an bzw. liefen am Malecón (Uferpromenade) entlang und genossen ein gutes, italienisches Eis.


20.09.-03.10.2019 Oaxaca und der versteinerte Wasserfall, Familienleben in Gualajara

Hierve el Agua - versteinerter Wasserfall
Hierve el Agua - versteinerter Wasserfall

Nachdem Kai wieder einigermaßen fit war fuhren wir von der heißen Pazifikküste in die Kühle der Berge. Die Straße war ein Traum. Eine Kurve nach der anderen. Auf 2500m Höhe wurde es dann sogar sehr kühl. In San Juan del Pacifico machten wir Halt für die Nacht. Die Zimmer aus Holz und die Temperaturen erinnerten an eine Skihütte. Das Dorf ist, neben seiner schönen Landschaft, hauptsächlich berühmt für magische Pilze. Gleich beim Empfang in der Unterkunft wurden uns Tipps gegeben wo wir am besten die kleinen Berühmtheiten verzehren können und wo besser nicht. Manch einer sei von seinem Trip dann nämlich nicht mehr runtergekommen. Äh, nein danke. Es war durchaus eine Herausforderung in dem Dorf etwas zu Essen zu bekommen ohne Pilze. Deshalb verzichteten wir auch auf die selbstgemachte Steinofen Pizza am Abend in der Unterkunft. Sicher ist sicher.

 

Am nächsten Morgen fuhren wir bei knapp 7 Grad und Wind weiter nach Oaxaca. Die schöne kurvige Straße mündete in ein breites Tal in dem es immer wärmer wurde. In der Unterkunft in Oaxaca begrüßten uns gleich zwei Katzenbabys und wir mussten unser Gepäck vor ihnen gleich mal in Sicherheit bringen. Wir blieben drei Tage. Nachdem wir uns die Altstadt angeschaut und uns den Bauch auf dem Taco-Festival vollgeschlagen hatten, ging es am Folgetag zum versteinerten Wasserfall „Hierve el Agua“. Da der Bus sehr günstig war, entschieden wir uns dazu den Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. In Mitla sollten wir umsteigen und ein Sammeltaxi (Collectivo, halb offener Truck) nehmen. Doch diese fuhren nur wenn zehn Gäste mitfuhren. Vorher nicht. Nach über einer Stunde wurde uns und den anderen fünf Gästen das Warten zu lange und wir verhandelten mit dem Fahrer etwas mehr zu bezahlen, dafür aber gleich loszufahren. Er ließ sich zum Glück auf den Deal ein. Am Hierve el Agua angekommen war glücklicherweise nicht viel los und wir hatten diese wunderschöne Landschaft fast für uns alleine. Natürliche Pools schmiegen sich an den Rand des Wasserfalls vor einer schönen Berglandschaft. Auf einem kleinen Wanderweg konnten wir den Wasserfall noch von unten betrachten und fanden sogar einen Rundweg zurück zum Parkplatz. Dort warteten schon ein paar der anderen Gäste die mit uns zuvor gefahren sind. Und uns dämmerte, dass es das gleiche Spiel werden würde. Und so war es. Letzten Endes warteten wir wieder über eine Stunde um dann wieder mehr zu bezahlen und zurück nach Mitla zu kommen. Diesmal in einem komfortablen Minivan. In Mitla kam der Bus nach Oaxaca zehn Minuten nach unserer Ankunft. Froh diesmal weniger Zeit auf der Straße verbracht zu haben, fuhren wir im Bus nach Oaxaca ein. Doch auf einmal bog der Bus von der Hauptstraße und wir entfernten uns immer mehr von unserer Unterkunft. Kai fragte den Busfahrer und der bedauerte auf Grund einer Straßensperrung nicht weiter auf der Hauptstraße fahren zu können. So stiegen wir aus und liefen eine dreiviertel Stunde bis zur Unterkunft.

 

Am letzten Tag ging es nochmal auf die Märkte der Altstadt, wir probierten Mezcal (Spirituose aus Agave) und Tejate (traditionelles Mais- und Kakaogetränk) und aßen Churros (frittiertes Gebäck).

 

Weiter ging es dann durch hohe Berge und über traumhafte Straßen nach Puebla. Dort übernachten wir eine Nacht und fuhren am nächsten Tag weiter nach Maravatío. Auf der Fahrt passierten wir unzählige Mautstellen, die uns ganz schön finanziell auszogen. An einer Mautstelle hatte Kai wie immer für mich mit gezahlt und ich fuhr als erste durch. Danach schloss sich die Schranke wieder. Als sie sich für Kai wieder öffnete fuhr ganz dreist ein mexikanischer Motorradfahrer an Kai vorbei! Doch anstatt, dass die Angestellte Kai danach durchließ wollte sie, dass er noch einmal bezahlte! Aber er hatte doch schon gezahlt und der andere Motorradfahrer nicht! Als Kai stur blieb und partout nicht nochmal zahlen wollte, kam eine andere Mitarbeiterin die dann manuell die Schranke öffnen musste. Sowas hatten wir auch noch nie erlebt.

 

Nach Maravatío ging es in die Großstadt Guadalajara. Die Wärme hatte uns endgültig wieder. Sehr herzlich, mit einer Umarmung, wurden wir von unserem Gastvater begrüßt. Am Abend kamen noch seine Kinder mit ihren Kindern vorbei. Alle wollten die deutschen Motorradfahrer mit dem Surfbrett kennenlernen. Wir bekamen Tipps und besserten so nochmal unser Spanisch auf.

 

Nachdem wir es ohne Dengue Virus von der Pazifikküste weggeschafft hatten, erwartete uns nun eine Dengue Epidemie in Guadalajara. Na super! Also immer schön einsprühen!

 

Eigentlich wollten wir nur zwei Tage bleiben, aber es gefiel uns sehr gut und es zog gerade sowieso ein Zyklon entlang der Pazifikküste hoch zur Baja California. Die Fähre würde mit hoher Wahrscheinlichkeit also sowieso nicht fahren. Also genossen wir es eine „Familie“ zu haben, aßen und kochten zusammen, erkundeten die Stadt, arbeiten viel an unserer Homepage und ruhten uns von den anstrengenden Fahrtagen aus.


8.9.-20.9.2019 Mexiko´s Pazifikküste

Sonnenuntergang Playa Carrizalillo, Puerto Escondido
Sonnenuntergang Playa Carrizalillo, Puerto Escondido

Nach der heißesten Nacht in ganz Mexiko ging es dementsprechend gerädert weiter zum Surfspot Barra de la Cruz. Die Fahrt dorthin war wunderschön entlang einer kurvigen Küstenstraße. Wir leisteten uns eine Cabana (ca. 12 €/Nacht), da wir nicht im Zelt verrecken wollten. Die Angst war jedoch unbegründet. Es wurde nachts angenehm kühl. Dafür war der Ort überfüllt mit Surfern, die alle diese berühmte Welle surfen wollten. Da saßen dann 30 Leute im Wasser und warteten auf ihren Einsatz, wenn sie sich denn an die Vorfahrtsregeln hielten… Eintritt musste man für den Strand auch noch zahlen (ca. 1,40€/Person). Das gefiel uns gar nicht. Deshalb sattelten wir am nächsten Morgen wieder unsere Pferde und fuhren weiter nach Brisas de Zicatela, ein Stadtteil des berühmten Puerto Escondido. Der Hauptspot, ein berühmter Bigwave Spot, war sowieso nichts für uns. Wir wollten La Punta surfen, ein kleinerer Spot im Süden des Ortes. Nur leider ist diese Welle mittlerweile so beliebt, dass auch hier eine Bretterschlacht herrscht. Doch erst mal mussten wir unsere Unterkunft finden. Die Unterkunft die wir vorfanden war hoffentlich nicht die richtige. In dieser Bruchbude wollten wir ungern bleiben. Zwei Männer kamen heraus und fragten uns was wir wollten, wir fragten ob dies die Unterkunft „Hakuna Matata“ sei. Nein, sei sie nicht. Könnte am Ende der Straße sein. Wir riefen den Host an, dieser versicherte uns die Koordinaten seien richtig und das wäre die Unterkunft. Dann kam auf einmal einer der Männer wieder raus und bestätigte uns, dass wir doch richtig seien. Er habe nicht gewusst, dass das Haus „Hakuna Matata“ hieße. Er lebe seit zwei Monaten hier. Na das war ja ein gutes Zeichen… Dann kamen wir mal wieder nicht durch das Tor durch. Mit Gepäck waren wir zu breit. Bevor wir nun wieder anfangen würden alles abzuladen und den Surfbrettträger abzubauen, lief ich zu einem „Campingplatz“ in der Nähe als Alternative. Dort wollten sie dann aber nochmals ein Drittel mehr als wir in der Unterkunft zahlen und wir müssten das Zelt neben der Bar aufbauen. Nein Danke! Mittlerweile waren zwei Kollegen des Hosts angekommen und diese halfen uns das Tor zumindest soweit zu öffnen, dass wir hindurchfahren konnten. Dann in der Unterkunft der nächste Schock: Die Zimmer hatten keine Türen und das Bad nur einen Vorhang! Privatsphäre Fehlanzeige! Naja, so lange wir die Bude für uns hatten, war es ja ok. Doch spätabends kamen dann doch noch andere Gäste an, sodass alle Zimmer belegt waren. Super! Wobei uns die anderen Gäste noch mehr leid taten, denn ihr Zimmer war komplett offen und zum Bad mussten wir immer direkt an ihren Betten vorbei…

 

Wir bekamen von einem Surfkumpel, den wir in Panama kennengelernt hatten, den Tipp, dass es im Norden von Puerto Escondido eine kleinere, sanftere Welle hat. Glücklicherweise gibt es auf der Klippe oberhalb des Spots ein Hostel mit Cabanas und Camping. Also packten wir abermals alles zusammen und fuhren die zwanzig Minuten zum „Hostel Mondala“. Wir stellten die Motorräder ab und sprachen gerade mit der Hostelangestellten als es einen lauten Schlag tat. Was war das? Kai schrie und rannte zu seinem Motorrad. Dieses lag auf der Seite. Wie war denn das passiert? Der vermeintlich harte Sandboden war eingebrochen und das Motorrad samt Gepäck und Surfbrett umgekippt. Zum Glück nicht auf die Seite, wo sich das Surfbrett befindet. Mit dem Koffer lag es direkt auf einer Bordsteinkante. Nochmal Glück gehabt. Hofften wir zumindest. Nur den Koffer hatte es etwas verbogen und es roch nach Benzin…

 

Da wir das Zelt neben der Bar hätten aufbauen müssen und es jeden Nachmittag regnete und Gewitter durchzogen, gönnten wir uns den Luxus einer Cabaña. Wobei diese die Musik der Bar auch nicht abhielt… Wir sind ja nun wirklich nicht anspruchsvoll, nur wenn man eh schon Rückenschmerzen hat und dann noch eine Matratze vorfindet, die so durchgelegen ist, dass man grade direkt auf dem Lattenrost schlafen kann, schmälert das die Nachtruhe schon gewaltig. Auch zwei Matratzen auf einander zu legen brachte keinen Erfolg. Im Gegenteil. Nun rollten wir beide immer wieder in den großen Graben in der Mitte. Kai zog dann ins Stockbett um. Ich holte mir die andere Matratze vom Stockbett runter. So war es angenehmer und aushaltbar. Nur die Federn stachen einem in den Rücken. Da lobe ich mir meine Camping-Matratze…

 

Auch dieser Surfspot erfreut sich großer Beliebtheit, vor allen Dingen unter den Surfschulen. Da diese auf Vorfahrtsregeln pfeifen und ihre Schüler einfach in die Welle schubsen, finden sich schon mal 5-6 Leute auf einer Welle wieder. Ist dann immer die Frage wer da Schachmatt geschlagen wird… Kai wagte sich trotzdem in die Wellen, hatte auch die ein oder andere, wurde aber trotzdem von einem Surflehrer zusammengestaucht, der meinte er solle aufpassen. Und das obwohl Kai Vorfahrt hatte und es seine Welle war, aber das spielte keine Rolle.

 

Ich versuchte mein Glück am nächsten Tag, als etwas weniger los war. Ich paddelte zwar einige Wellen an, konnte aber nicht direkt am Bruch sitzen, da dort entweder die Locals saßen oder Felsen waren. Von den vielen Surfschülern ganz zu schweigen. Als dann die Wellen größer wurden und die Bretter nur noch durch die Gegend flogen rettete ich mich zurück an den Strand.

 

Da wir uns beide auf Grund der Klimaanlagen erkältet hatten und Kai ganz flach lag, blieben wir länger als gedacht. Zum Glück gab es in Laufnähe einen Arzt der sogar etwas Englisch sprach. Er war sehr nett und wir kamen direkt dran. So bekam Kai dann doch Antibiotika verschrieben. Schon wieder…

 

Während Kai mit Fieber im Bett lag und sich auskurierte, wusch ich Wäsche, arbeitete vormittags am Laptop (Kai brauchte es ab mittags zum Filme schauen) und ging mit Meeresschildkröten Surfen oder las in der Hängematte. Abends trank ich dann Kai´s Biervorrat leer (bei der Hitze wird man unweigerlich zum Biertrinker, vor allem wenn man selten und nur für viel Geld an Wein kommt). Auch wenn ihm das das Herz brach 😉.

 

Das Schicksal hatte mal wieder beschlossen, dass wir doch länger an einem Ort bleiben sollten. Tat nach den vielen Fahrtagen auch gut. Zudem lagen jetzt nochmal fast 2000km vor uns bevor es dann mit der Fähre rüber zur Baja California gehen sollte. Dafür mussten wir fit sein. Eigentlich wollten wir ursprünglich an der Küste entlangfahren und Surfen gehen, aber so ziemlich jeder Mexikaner hatte uns von der Fahrt durch die Region Guerrero abgeraten. Vor allem Acapulco gehört mittlerweile zu den drei gefährlichsten Städten der Welt. Deshalb werden wir über die Berge und das Inland fahren.


01.- 08.9.2019 Vom Golf von Mexiko bis an die Pazifikküste

Rast am Golf von Mexiko
Rast am Golf von Mexiko

Der Abschied von Progreso fiel uns schwer. Nicht nur zweieinhalb Wochen lang Kitesurfen, sondern auch eine gewohnte Umgebung und Routine. Mal keine Routenplanung und Schlafplatzsuche. Tut zur Abwechslung auch mal gut. Deshalb ging es von Progreso erst mal nur eine dreiviertel Stunde weiter nach Mérida, in die Unterkunft in der wir schon davor waren. Wir hatten noch die Kontaktdaten der Betreiber und konnten so kurz per WhatsApp reservieren. Nur leider hatten wir nicht über den Preis gesprochen, da für uns eigentlich klar war, dass wir das gleiche zahlen würden wir vor zweieinhalb Wochen. Nee. In der Zwischenzeit wurde der Preis aufgeschlagen und statt einem Omelette gab es auch nur Brot mit scharfer Marmelade zum Frühstück. Schade. Ansonsten genossen wir die Klimaanlage und Kai wartete im Schatten die Motorräder. Wir hatten ja immer hin über 1000km bis zur Pazifikküste vor uns.

 

Dann ging es weiter nach Campeche. Die Fahrt war super langweilig. Nicht eine einzige Kurve. Dafür eine unerträgliche Hitze. Die Unterkunft war sehr schön, sogar mit kleiner Küche und einem (nicht ganz sauberen) Pool. Wir schauten uns am Nachmittag die Altstadt (Kolonialstadt) an und liefen am Abend nochmal zur Uferpromenade um uns, auf Empfehlung des Hosts, das Fontänen-Lichtspektakel anzuschauen. Leider warteten wir umsonst. Aus irgendeinem Grund fiel das Spektakel ins Wasser. Zurück in der Unterkunft war alles dunkel. Stromausfall. Wir warteten noch etwas am Pool und beteten, dass der Strom zurückkam. Denn: Ohne Strom auch kein Ventilator und somit nicht mal an Schlaf zu denken. Zum Glück kam der Strom dann kurz vor dem Schlafen gehen zurück und die Nacht war einigermaßen erträglich.

 

Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Ciudad del Carmen. Die Fahrt war ein Genuss. Erst Kurven (die ersten in Mexiko!) und dann ein tolles Panorama immer entlang der Küste. Mit Blick auf das türkisfarbene Meer machten wir rast und es gesellte sich ein mexikanischer Motorradfahrer dazu. Dieser begleitete uns dann noch ein Stück. In Ciudad del Carmen schauten wir uns nur kurz etwas die Stadt an, aßen zu Mittag und kauften ein. Auch hier genossen wir das klimatisierte Zimmer.

 

Weiter ging es zu unserem letzten Halt am Golf von Mexiko: Villahermosa. Nach dem wir aus Ciudad del Carmen raus waren legten wir noch einen Tankstopp ein. Man wusste ja nicht wann die nächste Tankstelle kam. Doch meine BMW mochte das wieder gar nicht. Sie sprang danach wieder nicht an. Nur mit Geduld und gutem Zureden hatte sie dann doch ein Erbarmen. Auf dem Weg nach Villahermosa hatten wir dann zum ersten Mal Kontakt mit korrupter Polizei. Wir seien in der Ortschaft zuvor zu schnell gefahren und es wären Fotos von uns gemacht worden. Wir könnten direkt vor Ort zahlen oder bis Ciudad del Carmen zurückfahren und dort zahlen. Kai beteuerte mehrmals, dass wir sicherlich nicht zu schnell gefahren waren, allein schon auf Grund des Verkehrs und der Bodenwellen. Zudem könnten wir mit unserem ganzen Gepäck gar nicht schnell fahren. Und überhaupt: Wo war das Foto? Wir wollten es sehen! Da wurde der Polizist langsam etwas nervös. Nach langem hin und her durften wir dann auf einmal weiterfahren. Noch einmal Glück gehabt.

 

In Villahermosa erwartete uns neben einer riesigen Stadt und Hitze, ein Loch. Nämlich unsere Unterkunft. Dass das „Hotel Posada del Angel“ nicht die besten Bewertungen hatte, wussten wir bereits. Aber dafür waren die knapp 15€ (pro Nacht) immer noch zu viel. Das Zimmer stank zum Himmel, war dreckig und nicht einmal die Laken waren gewechselt worden. Nicht sehr einladend. Aber zum Glück nur eine Nacht… Asiatisches Essen und ein Crêpes als Nachtisch stimmte uns einigermaßen gütig, sodass es im Zimmer aushaltbar war, aber nur in unseren eigenen Hüttenschlafsäcken (Inlets).

 

Wir verließen den Golf von Mexiko und fuhren durch die Hitze weiter nach Acayucan. Auf dem Weg nahmen wir noch ein paar Staus und Baustellen mit. Im Hotel „Arcos del Parque“ angekommen bezogen wir erleichtert unser sauberes, klimatisiertes Zimmer. Das Hotel direkt in der Altstadt war für uns zwar schon eher obere Preisklasse (knapp 24€/Nacht), aber wir hatten kaum Alternativen. Durch die letzten Fahrtage und die Hitze erledigt, entschlossen wir uns dazu noch eine Nacht länger zu bleiben um uns auszuruhen. Wir hatten beide Rückenschmerzen vom Fahren und den Klimaanlagen. Deshalb wollten wir ein paar Bahnen im Hotelpool schwimmen. Doch bei diesem sah man vor lauter Dreck nicht mal den Boden. Dann lieber Yoga im Zimmer. Wir aßen viele Tacos, besuchten das Konzert auf dem Platz gegenüber dem Hotel (an Schlaf war da eh nicht zu denken) und lernten Motorradreisende aus Indien kennen. Die beiden sind einen Monat zuvor in New York gestartet und über Kalifornien runter bis Mexiko gefahren. In knapp sieben Wochen wollen sie an der Südspitze Südamerikas sein… Wir fahren bei der Hitze 200-300 km am Tag, sie fahren 500-800 km am Tag. Es geht also auch anders.

 

Ausgeruht machten wir uns dann am nächsten Tag auf den Weg zur Pazifikküste. Die letzten Kilometer zum Meer begleitete uns ein starker, ablandiger und vor allem heißer Wind. In Salina Cruz hatten wir ein Haus für uns alleine (16€/Nacht!). Wir wurden schon einige Male vorgewarnt, dass diese Region in Mexiko sehr, sehr heiß ist und wir hatten schon fast Angst davor. Tatsächlich hatten wir noch nie so eine heiße Nacht erlebt wie in Salina Cruz. Trotz zwei Ventilatoren war nicht an Schlaf zu denken.


13.8.- 01.09.2019 Kitesurfparadies Progreso: Kite, Eat, Sleep – and repeat!

Camping in der Yuckite School
Camping in der Yuckite School

Am nächsten Morgen in Mérida atmeten wir erst mal auf. Kein Fieber. Also sattelten wir die Pferde und fuhren nach Progreso. Doch keine fünf Kilometer vor dem Ziel fing Kai´s Yamaha an zu qualmen. Ich hupte und bedeutet ihm anzuhalten. Doch erst nach einer gefühlten Ewigkeit hielt er an. Panik stieg in uns auf. 1000 Gedanken schossen uns durch den Kopf. Wo war die nächste Werkstatt? Wen sollten wir anrufen? Wo sollten wir schlafen? Nach erster Planlosigkeit, fiel Kai auf, dass sich Ölspritzer rund um die Öleinfüllschraube befanden. Dann fiel ihm ein, dass er beim letzten Öl-Check die Öleinlasschraube nicht richtig zu bekommen hatte. Das musste die Ursache sein! Uns fiel ein Stein vom Herzen. So warteten wir, bis der Motor sich ein bisschen abgekühlt hatte, dann versuchten wir mit Toilettenpapier notdürftig die Ölflecken zu entfernen. Kai lief zur nahegelegenen Tankstelle um Sand für die Ölspur zu bekommen. Es hatte sich mittlerweile eine kleine Öllache gebildet. Nach einer kurzen Pause starteten wir den Motor erneut. Doch wieder stieg Qualm auf. Wir hatten Angst, dass das Öl sich entzünden könnte. Deshalb riefen wir zuhause unseren Freund und Mechaniker Martin an. Er riet uns etwas Wasser darauf zu geben, um das Gemisch zu verdünnen. Es stieg zwar immer noch Rauch auf, aber wir fuhren trotzdem die letzten Kilometer bis zum Ziel. Schnitzelfertig bauten wir unser Zelt auf und gleich danach das Kiteboard. Auf dem Wasser war dann alles vergessen. Sowohl das Motorrad als auch der Ausschlag. Das erste Mal Kiten in der Karibik! Türkisfarbenes Wasser, hundert Meter stehtiefer Bereich und moderater, schrägauflandiger Wind. Und dann noch Zelten direkt am Spot. Welcome to paradise!

 

In Progreso passte für uns alles: Fast jeden Tag Wind, eine Überdachung für unser Zelt, eine Küche, Duschen und Bad, Storage für unser Kitematerial, Schließfächer für unsere Wertsachen und recht sicherer und schattige Parkplätze für die Motorräder. Kleine Minimärkte gab es in Laufnähe, für den wöchentlichen Großeinkauf fuhren wir mit Uber (Taxiapp) zu einem größeren Supermarkt am Ende der Stadt. Dort deckten wir uns neben Lebensmitteln, Bier und Wein, auch mit Mosquito Spray ein. Diese Quälgeister fielen nämlich schon morgens über uns her. Da war es schon eine Kunst aus dem Innenzelt herauszukommen ohne, 1. einen Mosquito hereinzulassen und 2. einen Stich abzubekommen. Während ersteres mit etwas Übung immer besser klappte, scheiterte letzteres meist noch bevor man die Chance hatte sich mit Repellent einzusprühen. Entspanntes Aufstehen sieht da anders aus. Nach der Chemiekeule kam dann mittags vor dem Kiten noch eine Schicht Sunblocker drauf, die nach dem Kiten von einer weiteren Schicht Insektenspray überzogen wurde. Das Ganze wurde dann kurz vor dem Schlafen gehen mit Seife ordentlich abgewaschen. Was man nicht alles tut um Dengue Fieber & Co. zu umgehen.

 

Das Team der Kitestation war super nett, ein Kitelehrer sogar ein waschechter Deutschland-Fan (fährt einen VW Beetle). Und wir lernten viele Gäste aus verschiedensten Ländern kennen.

 

In der Kitestation leben drei süße Wachhunde, die ihren Job sehr ernst nehmen und uns nachts durch ihr Gebell öfters wachhielten. Doch es war gut zu wissen, dass wir nicht alleine waren. Wir zelteten zwar auf dem Gelände der Kitestation, dieses war aber nicht eingezäunt. Es konnte also jeder vom Strand durch die Kiteschule laufen und somit auch an unserem Zelt vorbeikommen. Deshalb hielten wir das Zelt immer zu und schlossen es (so gut es ging) sogar ab, wenn wir das Gelände verließen.

 

Schnell stellte sich eine Routine ein: vormittags am Laptop arbeiten, nachmittags Kiten. Kite, Eat, Sleep and Repeat. Oft kamen zwar nachmittags oder abends Gewitter und Regen, meist konnten wir uns davor aber schon auf dem Wasser austoben. Mit viel Vitamin T (Tortillas) und Vitamin B (Bier) gaben wir unseren Körpern zurück, was wir ihnen tagsüber abverlangten.

 

EXPED USA hatte Wort gehalten und in der Woche zuvor sofort eine neue Matratze losgeschickt, diese kam dann pünktlich in Progreso an. So musste Kai nicht mehr auf dem Boden schlafen. Danke EXPED USA!

 

Neben den Hunden und Mosquitos tummelten sich einige Kakerlaken vor und in der Toilette. Zweimal sahen wir eine Schlange. Eine huschte blöderweise unter unsere „Terrasse“ (Holzfloß, siehe Foto) und kam nicht mehr heraus. In der Nacht schauten wir mit der Stirnlampe ganz genau wenn wir raus mussten…

 

Nach knapp zwei Wochen sah dann die Windvorhersage nicht mehr so rosig aus. Ende August endet normalerweise die Windsaison und der Hurricane Dorian hatte wohl auch Auswirkungen auf das Windsystem und sollte viel Niederschlag bringen. Nachdem wir dann zwei Tage vergeblich auf Wind gewartete hatten, entschieden wir uns weiterzuziehen. Es war wohl Zeit für uns zu gehen. Sonst wären wir wahrscheinlich nochmal eine Woche geblieben. Diesmal fiel uns der Abschied besonders schwer. Kein Wunder bei diesem Paradies. Ob wir so einen Spot nochmal finden würden? Jetzt hieß es erst mal Strecke machen um zur Pazifikküste zu gelangen. Nach so einer langen Zeit mussten wir uns dann auch wieder mit den Fragen beschäftigen: Wo schlafen wir morgen? Welche Straßen sind sicher? Können wir die Motorräder sicher parken?

 

 

 


07.-13.08.2019 Warten auf Wind in El Cuyo, Besuch der Kulturhauptstadt Mérida

Camping am Strand von El Cuyo
Camping am Strand von El Cuyo

Von Valladolid ging es direkt zum Kitespot El Cuyo an die Karibikküste. Wir hatten im Vorfeld mit dem Kitestationsleiter Kontakt und er wusste, dass wir mittags ankommen. Doch es war niemand da. Nach ein paar Versuchen erreichten wir den Stationsleiter: Er wäre nicht da, aber seine Assistentin. Hm? Nicht wirklich. Eine Stunde mussten wir warten, bis endlich die besagte Angestellte der Station eintraf. Dann bauten wir schnell das Zelt auf und deckten die Motorräder ab, denn es näherte sich schon wieder ein Gewitter. Wir konnten fast direkt am Meer zelten und hatten Blick auf das wunderschöne, türkisfarbene Wasser. Wir waren im Paradies angekommen. Da wir nach der Fahrt und durch die Hitze ziemlich erledigt waren, wurmte es uns auch nicht so sehr, dass der Wind nicht für unseren Kite reichte. Morgen war ja schließlich auch noch ein Tag.

 

Am nächsten Morgen war ich schon vor Sonnenaufgang wach und nutzte die Zeit für Yoga, einen Strandspaziergang und einem Bad im Meer. Beim Baden war ich alleine, hatte aber das Gefühl nicht alleine zu sein. Vorsichtshalber schwamm ich lieber zurück an den Strand. Als ich mich zum Trocknen hingesetzt hatte, sah ich Delfine im Wasser jagen. Also hatte mich mein Gefühl nicht getäuscht! Ich wollte zu den Delfinen zurück ins Wasser, doch aus Erfahrung wusste ich, dass Delfine beim Jagen nicht auf Kuschelkurs sind. In Brasilien wurde dadurch sogar ein Stand up Paddler von seinem Board abgeräumt! So genoss ich den Anblick vom Strand aus und weckte den schlafenden Kai für das Naturspektakel.

 

Nach dem Frühstück bauten wir voller Vorfreude und Optimismus sowohl das Twintip-Kiteboard (Splitboard) als auch das Wellenreitbrett auf. Dann kam Luis, der Leiter der Station. Dieser erklärte uns, dass gerade Ferien sind und wir wegen den Badegästen (äh welche Badegäste??)  deshalb nicht direkt vor der Station Kiten dürfen. Wir sollten 1 Kilometer (!) weiter den Strand hochlaufen und dort dürften wir dann Kiten. Super! Macht bei der Hitze besonders viel Spaß! Aber unsere ungebremste Vorfreude ließ uns nicht davon abhalten, also packten wir alle sieben Sachen und bauten unseren Kite am oberen Ende des Strandes auf. Kai wollte es als Erster versuchen. Wir dachten uns ja schon, dass der Wind vielleicht nicht ganz reichen könnte, aber der Kite blieb nicht einmal mal oben und fiel vom Himmel! Dann kam auch noch das Gewitter immer näher. Frustriert packten wir alles zusammen und liefen zurück. Pünktlich kurz vor Einbruch der Dunkelheit war das Gewitter verschwunden und der Wind frischte auf. Na toll!

 

Am nächsten Tag ging dann auch noch Kai´s Matratze die Luft aus. Auch hier hatten sich zwei Kammern verbunden, wir vor ein paar Monaten bei meiner. Doch der Hersteller reagierte schnell und versprach zügig Ersatz. Dann ereilte uns ein tierisches Erlebnis der besonderen Art: eine kleine Schlange huschte durch unser Zelt. Hoffentlich war ihre Mutter nicht in der Nähe und auf der Suche nach ihrem Baby…

 

Ansonsten gab es bis auf fehlendes Wasser (somit keine Dusche und keine Toilette!), sowie eine leere Gasflasche in der Küche (die natürlich während des Kochens leer ging), keine weiteren Vorkommnisse.

 

Zwei weitere Tage warteten wir auf Wind, doch es kamen nur Gewitter. In einer Nacht so heftig, dass auf einmal unser Zelt zusammenklappte. Da waren wir schnell wieder wach. Ratlosigkeit und etwas Panik machte sich breit. War etwa schon wieder eine Stange gebrochen? Ich tastete die Stange ab, sie schien unversehrt. Kai ging im strömenden Regen (in Boxershort) raus und machte sich ein Bild. Der starke Wind hatte die Heringe des Zeltes aus dem lockeren Sand herausgerissen. Das Gewitter zog dann schnell wieder von dannen und ein nasser Kai kam zurück ins Zelt, nachdem er die Heringe wieder in den Boden gesetzt hatte. Als sich das Adrenalin dann allmählich etwas abgebaut hatte, war dann auch wieder an Schlaf zu denken.

 

Am letzten Tag konnten wir während der Flaute zumindest noch das Stand Up Paddle Board der Kitestation abwechselnd nutzen und die kleinen Wellen abreiten, die sich über der Sandbank gebildet hatten. Auch wenn wir nicht zum Kiten kamen, war die Zeit in El Cuyo trotzdem sehr schön.

 

Bevor es zum nächsten Kitespot ging machten wir einen Zwischenstopp in Mérida. Auf dem Weg dahin wurde es stetig noch heißer. Die Kulturhauptstadt lockt mit einer schönen Altstadt im Kolonialstil. Nach der vierstündigen Fahrt wollten wir uns direkt die Stadt anschauen. Es war Sonntag und wir hofften, dass dort einiges los wäre. Und so war es. Eine lokale Tanzgruppe führte sogar ihre Tänze bei fast 40 Grad auf dem Hauptplatz auf. Begleitet wurden sie von einer Musikkapelle. Ein tolles Erlebnis und noch besser als wir uns es erhofft hatten.

 

Am nächsten Tag wollten wir einige Dinge im Decathlon ersetzen (z.B. Handtücher) und für mich ein Kissen (war ja mittlerweile auch kaputt) kaufen. Wir wurden zwar fündig, aber die Preise waren weitaus höher als wir das von Europa (oder auch Kolumbien) gewöhnt waren. Auch die Auswahl war nicht die Gleiche.

 

Voller Vorfreude auf den nächsten Kitespot packten wir in der Unterkunft nach und nach wieder alles zusammen. Doch als ich aus der Dusche kam erschrak ich vor mir selbst: Ein Ausschlag zierte meinen kompletten Bauch. Mir ging es schon den ganzen Tag nicht so gut, wenn jetzt noch Fieber dazu käme könnte es das gefürchtete Dengue Virus sein! Das weiß man hier ja nie so genau. Zufälligerweise war in unserer Unterkunft auch eine Ärztin untergebracht. Diese wollte mich sofort untersuchen. Eigentlich wollte ich erst am nächsten Tag zu einem Arzt gehen, wenn ich über Nacht Fieber bekäme. Doch sie ließ sich nicht davon abhalten mich zu Untersuchen. Es sei soweit alles in Ordnung. Wenn ich jedoch in den nächsten 12-24h noch Fieber bekäme, müsste ich sofort zum Arzt. Also hieß es Daumen drücken und die Nacht abwarten...


30.7.-07.8.19 Maya Ruinen in Tulum, Schnorcheln mit Walhaien in Cancun, Schwimmen in den Cenoten von Valladolid

Walhai
Walhai

Bevor es für uns wieder auf´s Wasser geht wollten wir noch den ein oder anderen Stopp auf dem Weg zur Küste einlegen. Für zwei Nächte machten wir Halt in Tulum. Dort gönnten wir uns den Luxus einer Cabaña mit eigenem Bad und Küche (trotzdem nur 19€/Nacht zu zweit). Wir besuchten in der brütenden Hitze die Maya Ruinen und waren schockiert über die Ausmaße der Seegrasansammlungen an den Stränden. Normalerweise hat es hier türkisfarbenes Wasser und weißen Sandstrand. Jetzt war der Sand von Algenteppichen überzogen und das Wasser bräunlich. Dazu roch es nach verfaulten Eiern. Die Hotelangestellten gaben ihr Bestes um den Touristen die Karibik Idylle zurückzubringen, jedoch ohne großen Erfolg. Ein trauriges Bild. Sind der fortschreitende Klimawandel und die Abwässer der Industrien verantwortlich für die Vermehrung der Algen?

 

Unsere Cabana wurde von drei kleinen Hunden bewacht, die in einem unachtsamen Augenblick unser Brot klauten. Die Ratten (oder große Mäuse) machten sich an unserem Müsli zu schaffen und die Mosquitos feierten nachts eine Sangria-Party an ihrer eigenen Blutbar (uns).

 

Unausgeruht ging es für uns am nächsten Tag weiter nach Cancun. Hier hatten wir ein günstiges Zimmer über AirBnB gefunden und betteten unsere Häupter für 11€ pro Nacht. Lange hatten wir hin und her überlegt und Kai wollte auf Grund der Kosten erst verzichten – zum Glück hatten wir uns dann aber doch beide dazu entschieden uns diesen Traum zu erfüllen: Schwimmen mit Walhaien. So wurden wir am nächsten Tag in der Früh von einem Minibus abgeholt und auf ein Boot verfrachtet mit dem es dann vor die Isla Mujeres zur Futterstelle der Walhaie ging. Wir hatten ja gehofft und gebetet zumindest einen Walhai anzutreffen. Doch daran hatten wir im Traum nicht dran gedacht: 200 Exemplare des größten Fisches der Welt reckten ihre Flossen empor! Wir konnten unser Glück kaum fassen und sprangen bei 30 Grad und Sonne in das dunkelblaue Wasser hinein zu den Riesen. Ein mulmiges Gefühl war es dann aber schon, wenn ein Walhai auf einmal auf einen zu schwamm und sein Maul aufriss. Die sanften Riesen machen ja nichts und fressen nur Plankton, aber versehentlich verschluckt werden wollte man ja trotzdem nicht. Einmal kam ein Hai aus der Dunkelheit der Tiefe aufgetaucht, sodass wir die Flossen in die Hand nehmen musste um noch aus der Fahrlinie zu entkommen. Da Schlug das Herz schon mal kurz bis zum Anschlag. Erledigt und glücklich ging es dann auf dem Rückweg noch zu einem Abstecher auf die Isla Mujeres. Dort badeten wir im türkisfarbenen Meer und aßen Ceviche und Guacamole. Das Wetter hielt gerade noch bis wir wieder zurück waren. Dann ging das Gewitter los.

 

Noch einen weiteren Tag verbrachten wir in Cancun. Es war mal wieder Wochenende und überall lief laute Musik. Wir können uns daran einfach nicht gewöhnen. Zum Glück waren die Fenster so gut isoliert, dass man, bis auf die Moderatoreneinlagen, nicht viel hörte.

 

Am nächsten Morgen ging es dann für uns weiter gen Westen. Es regnete immer wieder, manchmal wusste man gar nicht aus welcher Wolke nun die Tropfen kommen sollten. Dazwischen brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel, sodass wir nach einer Viertelstunde ohne Regen unsere Regenkleidung wieder auszogen. Böser Fehler. Eine Wolke hatte es wortwörtlich in sich und ließ alles an Wasser herunter was sie angestaut hatte. So wurden wir regelrecht geduscht. Naja, es war ja eh viel zu warm. Weiter ging es durch Schwärme von zitronengelben Schmetterlingen. Doch was war das? Da lag auf einmal ein giftgrüner Gartenschlauch auf der Straße. Komisch, der bewegte sich ja! Es war eine Schlange! Fast hätten wir sie überfahren! Gerade so gelang ihr die Flucht zurück in das Dickicht. Diesem Kaliber wollten wir nicht noch einmal begegnen. Uns hatte schon die Baby-Schlange im Zelt in Bacalar gereicht…

 

In Valladolid angekommen mussten wir erst mal eine Weile warten bis das Zimmer fertig war. In der Zeit ging aber sowieso gerade ein heftiges Gewitter nieder. Danach irrten wir bei lauen 37 Grad durch die Stadt auf der Suche nach einem Supermarkt. Nachdem wir gefühlte 100 Mal nach dem Weg gefragt hatten, fanden wir ihn endlich. Doch auf dem Rückweg verliefen wir uns erneut und nahmen resigniert ein Taxi (für ca. 1 €, tat also nicht allzu weh). Nachdem wir uns von unserer Niederlage erholt hatten ging es abends zur Convention San Bernardo, einem alten Gebäude auf dem um 21.30 Uhr (21 Uhr auf Spanisch, 21.30 Uhr auf Englisch) jeden Abend die Geschichte der Stadt gezeigt wird. Mit Projektoren wird das Gemäuer angestrahlt. Eine tolle Idee und eine wirklich bemerkenswerte, schöne Umsetzung. In der Unterkunft empfing uns dann die Mosquito-Party 2.0.

 

Am nächsten Tag erkundeten wir die Altstadt, besuchten die Märkte und badeten in der Cenote „Zaci“ unter einem Wasserfall. Meinen Geburtstag verbrachten wir in den Cenoten X´Keken und Samula. In beide fällt nur durch eine kleine Öffnung Tageslicht und die Höhlen sind bewohnt von Fledermäusen und Vögeln, die sich ihre Nester in und um die Stalaktiten gebaut haben. Wir genossen diese, fast magischen, Momente in den Cenoten, während kleine Fische an unseren Zehen knabberten. Nach einem leckeren, mexikanischen Abendessen und spanischem Rotwein aus dem Tetrapack, sattelten wir am nächsten Tag wieder die Pferde und fuhren Richtung Küste. Der erste Kitespot stand auf der Liste: El Cuyo.

 


20.-30.07.2019 Nervenaufreibender Grenzübergang nach Mexiko, Camping im Paradies und Kayaktour durch die Lagune Bacalar

Kopfüber ins Paradies
Kopfüber ins Paradies

An manchen Tagen sollte man einfach im Bett bleiben. Nach dem nassen Start in den Tag fuhren wir gegen halb 12 von Orange Walk Town im Regen los. Wir wollten schließlich noch über die Grenze nach Mexiko kommen.

 

Es fing schon damit an, dass nach dem Tanken die BMW (wahrscheinlich auf Grund der Nässe) nicht mehr anspringen wollte. Nach einer Viertelstunde und gutem Zureden („Sonst kommst du hier zum Mechaniker!“) sprang sie dann endlich an. Jetzt nur nicht abwürgen! Gut, dass wir am Vortag noch mit Ricky (dem Host) gesprochen hatten bezüglich der Straße zur Grenze. Google Maps hätte uns nämlich eine ungeteerte Schlaglochpiste lang geführt. So blieb uns wenigstens das erspart.

 

Die Ausreise aus Belize war eine Sache von einer Viertelstunde. Dass die Einreise nach Mexiko länger dauern würde, war uns schon bewusst. Aber das was uns dann erwartete war wirklich der Abschuss! Zunächst einmal mussten wir uns für die Migration in eine seeehr lange Schlange stellen. Jacken und Helme ketteten wir währenddessen an die Motorräder. Nach einer Stunde kam Kai gerade von seinem Kontrollgang von den Motorrädern zurück und meinte, dass wir Helme und Jacken vielleicht doch reinholen sollten, es sah nach Regen aus. Gerade als er den Satz zu Ende gesprochen hatte fing es an zu schütten. Jetzt war alles nass! Super! Als der Regen aufhörte legten wir die Jacken zum notdürftigen Trocknen über eine Mauer und hielten abwechselnd Wache. Nach 1,5h hatten wir dann endlich unseren Stempel im Pass. Weiter ging es zum Zoll für die temporäre Einfuhr der Motorräder. „Nur für 7 Tage?“, fragte uns, natürlich auf Spanisch, die Beamtin. Wie, sieben Tage? Ja wir hätten nur ein Visum für sieben Tage erhalten. Bitte was??? Es stellte sich heraus, dass der Beamte uns nur ein Visum von sieben Tagen gegeben hatte, weil wir nichts anderes gesagt hatten. Ja woher sollen wir das wissen? Das war unser 12. Grenzübergang und wir mussten nie sagen wie lange wir bleiben wollen! Wir hatten immer die maximale Anzahl an Tagen bekommen. Dann ging es los: Kai sprach mit dem Beamten, dieser meinte er könne nichts machen, wir sollen uns nochmal hintenanstellen und die Prozedur noch einmal durchlaufen. Ernsthaft?? Die Schlange war mittlerweile noch länger! Dann krallte Kai sich einen anderen Beamten der vorbeilief. Er bekniete ihn so lange bis er uns half. Wir mussten zwar nochmals das Formular ausfüllen, konnten danach aber an der Schlage vorbei und direkt nochmal zum Schalter. Dann erhielten wir die 180 Tage Visum. Endlich! Zurück bei der Zollbeamtin legten wir alle nötigen Papiere vor und erhielten die nächste Klatsche: Sie wollte unsere Internationalen Zulassungspapiere nicht akzeptieren! Aber nicht, weil es nicht die originalen Deutschen waren, sondern, weil unsere Adressen (Wohnortwechsel) handschriftlich (aber mit Stempel des Landratsamtes) geändert worden waren. Ihr Argument: Da könnte ja jeder daherkommen und drin rum kritzeln. Alle Diskussion und gutes Zureden half nichts. Kai packte seinen ganzen Charme aus, aber auch der prallte an ihr ab. Also blieb uns nichts anderes übrig als alles abzuladen und die originalen deutschen Zulassungspapiere (hatten wir bis dato noch nie gebraucht!) aus den Koffern zu holen. Weitere zehn Minuten später und 70 € leichter (pro Kopf! Plus 360€ Kaution pro Bike!) ging es dann zum Abschluss der KFZ-Versicherung. Ein Motorrad kostet mehr als ein Auto! Wie unfair! Und die Versicherung kostet für ein Jahr weniger als für 90 oder 180 Tage. Sehr merkwürdig. Also nochmal 130€ pro Motorrad hingeblättert. Dann luden wir wieder alles auf die Motorräder auf und fuhren zum nächsten Checkpoint. Diesmal zum Glück nur die Papiere vorzeigen und einen Koffer öffnen. Danach noch die Desinfektion („Fumigacion“) der Motorräder, dann waren wir nach fast 5h Grenzformalitäten endlich in Mexiko! Nach fast 7h insgesamt kamen wir dann am Ziel an: Laguna Bacalar! Dort fing es pünktlich beim Abdecken der Motorräder an zu Regnen. Wir borgten uns einen Schirm von den Hosts aus um im Ort noch etwas zu Essen zu bekommen. Bei Burritos und Corona erwachten dann wieder unsere Lebensgeister. Viva Mexico!

 

Am nächsten Tag war für uns Weihnachten: Wir hatten ein paar Dinge bestellt und packten voller Vorfreude die Päckchen aus. Der mexikanische Zoll war uns wohlgesonnen und so mussten wir (im Gegensatz zu Costa Rica) keine Auslösegebühr zahlen. Neben einer neuen Zeltstange (eine war schon in Panama gebrochen), gab es neue „Göffel“ von Light my Fire sowie ein neues Kartenfach für Kai´s Enduristan Tankrucksack. Wir trafen einen Argentinier wieder den wir vor ein paar Monaten in Montañita getroffen hatten – die Welt ist ein Dorf!

 

Nach einem Tag im Ortskern zogen wir am nächsten Tag auf den Campingplatz „El Jardin de Venus“ am Rande von Bacalar um. Dort blieben wir über eine Woche und hätten es mit Sicherheit noch länger ausgehalten. Da es die Wochen zuvor viel geregnet hatte bauten wir seit einer gefühlten Ewigkeit zum ersten Mal wieder das Zelt auf. Zwischendurch hatten wir schon (soweit wir die Möglichkeit hatten) Das ein oder andere der Campingausrüstung herausgeholt und gelüftet. Dass wir das Innenzelt wegen Stockflecken mit Essig behandeln müssten, war uns klar. Dass aber auch noch die Matratzen und die Kissen angefangen hatten zu schimmeln, war uns nicht bewusst. Nach einigen Stunden Arbeit waren dann auch die Kissen wieder in einem einigermaßen zumutbaren Zustand, jedoch verloren sie immer mehr Luft. Nach ausgiebiger Fehlersuche war dann auch klar warum: Rund um das Ventil und an der Naht gab es undichte Stellen. Hier hatte uns der Hersteller zwar Ersatz versprochen, aber erst in den USA. Bis dahin wird nun wohl ein Pulli als Kissenersatz herhalten müssen.

 

So verbrachten wir die ersten zwei Tage erst mal mit Putzen. Kai musste seine Matratze mehrfach mit Essig und Spülmittel behandeln. Danach gingen wir zum gemütlicheren Part über. Mit den Campingeigenen Fahrrädern konnten wir problemlos kurz in den Ort zum Einkaufen fahren und gönnten uns ab und an ein Croissant in der Panaderia (Bäckerei). Wir badeten viel in dem wunderschönen, türkisfarbenen Wasser und unternahmen bei Sonnenaufgang Kayaktouren durch die Lagune, in die Mangrovenwälder und zu einer Cenote. Die Cenote „Negro“ (bzw. auch „Bruja“ genannt) ist mit 180m eine der tiefsten Cenoten in Mexiko. Ein krasses Gefühl wenn man von einer auf die andere Sekunde über einen so tiefen Abgrund fährt. Nach solcher ungewohnten sportlichen Betätigung waren die frischen Kokosnüsse aus dem Garten des Campingplatzes eine Wohltat.

 

Tagsüber ging eine gute Brise, sodass die Hitze erträglich war, nachts war es hingegen kaum aushaltbar. Deshalb kauften wir uns einen kleinen Ventilator, den man sogar mit USB aufladen kann. Der Akku hält ca. die halbe Nacht. Ein Segen.

 

Einige größere und kleinere Wolfsspinnen hatten es sich in unserem Zelt während der Zeit in Bacalar gemütlich gemacht. Nachts konnte man sie gut erkennen, da sie das Licht der Stirnlampe reflektieren. Auch eine kleine Schlange huschte mal durch unser Vorzelt.

 

Es war schön mal wieder länger an einem Ort zu bleiben und andere Langzeitreisende zu Treffen. So konnte man mal wieder tiefergehende Gespräche führen und sich austauschen. Wahrscheinlich wären wir noch länger an diesem paradiesischen Ort geblieben, doch es zog uns weiter. Wir hatten seit ein paar Tagen Kontakt mit verschiedenen Kitestationen und wir wollten endlich wieder Kitesurfen gehen! Doch davor würden wir noch eine Maya-Stätte besuchen und uns den Traum vom Schnorcheln mit Walhaien erfüllen!