Äquatorüberschreitung, Indian Market, Vulkankratersee und Finca Sommerwind: 1.- 5.3.2019

 

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Otavalo und überschritten unterwegs den Äquator – die nördliche Hemisphäre hat uns somit wieder! In Otavalo suchten wir zum x-ten Mal nach einem Kettenspray für die Motorräder – ein Mechaniker war so nett uns zu einem Geschäft mitzunehmen, dort gab es aber mal wieder kein Spray. Nach ewigem Laufen und umherirren (wir saßen ja schon 5 Stunden auf den Motorrädern, da tat so ein kleiner Spaziergang ja mal gut) wurden wir dann endlich fündig. Zurück in der Unterkunft stand ein großer Reisebus vor der Tür. Wir ahnten Schreckliches und unsere Befürchtungen wurden leider wahr. Die Gruppe begann mitten im Hof zu kochen und lehnte sich gemütlich an unsere Motorräder! Da ging Kai fast die Hutschnur hoch. Leider hielt die Truppe uns auch nachts und früh morgens wach. Ein höfliches „Mucho tranquilo, por favor“ prallte leider ab und wurde nur mit einer murmelnden Beschimpfung beginnend mit „Gringos!..“ kommentiert. Wir waren froh, als die Gruppe am nächsten Vormittag wieder von dannen zog und wir endlich in der Küche frühstücken konnten. Danach besuchten wir den traditionellen „Indian Market“, was gerade für mich (Nici) eine Tortur war, da ich nichts kaufen durfte. Kein Platz…

 

Mit einem kurzen Abstecher mit den Motorrädern zur Laguna Cuicocha (Vulkankratersee) ging es weiter Richtung Norden nach Ibarra, zur berühmten „Finca Sommerwind“. Auf den letzten Kilometern durch die Stadt erwischte uns dann doch noch ein heftiger Gewitterregenguss. Leider während wir im Stau standen… So kamen wir klitschnass auf der Finca an und waren froh nun ohne Regen das Zelt aufbauen zu können. Hans (der Betreiber aus Deutschland) hieß uns herzlich willkommen und der Begrüßungs-Kaffee tat uns gut. Die Ex-Freundin von Hans (ihr Ruf eilte ihr voraus, aber wir wollten uns ein eigenes Bild machen) lebt in einem Haus auf dem Gelände und hatte uns über Hans ausrichten lassen, dass wir bitte unsere Motorradkleidung von ihrem privaten Zaun (wir hatten sie dort zum Trocknen drüber gehängt) nehmen sollen. Da der Holzzaun unter dieser heftigen Last natürlich sonst zusammenbrechen würde, taten wir ihr den Gefallen, aber auch nur weil uns der nächste heftige Regenguss ereilte.

 

Die Mosquitos sind, im Vergleich zur Küste, erträglich, dafür gibt es andere nervige Quälgeister: Kleine Fliegen. Die beißen und reißen sogar ein kleines Stück Haut raus. Diese Stiche jucken nicht nur wie Hölle, sondern sie tun auch noch extrem weh. Und das über Tage. Zumindest beißen diese, im Gegensatz zu den Mosquitos, nicht durch die Kleidung hindurch. So trugen wir bei 23 Grad doch öfter lange Kleidung, auch wenn es dazu eigentlich zu warm war. Das übliche Mückenspray interessierte diese Viecher herzlich wenig.

 

Wir trafen Bekannte aus Berlin wieder, die wir im Norden von Peru schon getroffen hatten und tauschten unsere Erfahrungen aus. Wir planten die nächsten Reiseziele in Kolumbien, machten eine kleine Wanderung hoch über dem See mit Blick auf den Vulkan, wurden von fremden Menschen aus fahrenden Autos mit Schaum bespritzt (es war gerade Karneval), lernten sehr nette Locals aus Quito kennen und versuchten unser Zelt von Stockflecken zu befreien.

 

Dann hieß es Abschiednehmen von dem sehr liebgewonnenen Ecuador. Dieses Land zu verlassen fiel uns wirklich nicht leicht. Da wir aber von vielen Reisenden gehört hatten, dass Kolumbien mit das schönste Land Südamerikas sein soll, sind wir nun also gespannt was uns erwarten wird. Leider müssen wir uns etwas sputen: Unser Schiff nach Panama verlässt am 30.03.2019 den Hafen von Cartagena.

 


Surfen in Canoa, Wanderung durch den Nebelwald in Mindo: 20.2.- 1.3.2019

 

Nach drei Wochen in Ayampe erlebten wir beim Packen leider eine böse Überraschung: unsere Helme, sowie unsere Motorradkleidung, waren von feinem Schimmel überzogen. Das tropische Klima hatte seine Spuren hinterlassen. Nach fünf Stunden Fahrt (eine Straße war leider gesperrt und wir mussten einen Umweg fahren) kamen wir dann endlich in Canoa an. Von Null auf Hundert: Nachdem wir drei Wochen nur entspannt, gegessen und gesurft hatten, war die Fahrt sehr anstrengend. Wir bauten unser Zelt auf dem „Cabaña & Camping Il Tramonto“ auf, nicht weit entfernt vom Strand, dafür etwas außerhalb des Trubels der touristischen Ortschaft. Sogar die Platzbetreiber rieten uns alle Wertsachen (auch das Surfbrett!) einzuschließen, da gerne geklaut wird. Zudem sollte man sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr am Strand aufhalten. Wir blieben fünf Tage, surften und waren zum chillen verdammt, da das Internet noch langsamer (oder teilweise nicht vorhanden) war als in Ayampe. Wir bekamen fast täglich frische Kokosnüsse (mittlerweile wussten wir wie man diese mit der Machete öffnet) und durften mit dem Basilikum aus dem eigenen Garten unsere Tomatensoße aufpeppen. Die Mosquitos waren sogar noch aggressiver als in Ayampe und lachten scheinbar nur über unser Mosquitospray. Auch die lokale Mückenabwehr mit Palo Santo (das Holz dieses Baumes wird angezündet, der Rauch soll neben Mosquitos auch böse Geister vertreiben) ließ die nervigen Quälgeister weitestgehend kalt. Dafür roch unser Zelt angenehm nach dem süßlichen Duft des Baumes.

In der zweiten Nacht, morgens um halb sechs, wachten wir auf, weil es sich im Zelt anfühlte, als ob wir auf einem Schiff wären. Es ruckelte und schüttelte uns durch. Am nächsten Morgen war dann klar, dass es kein Traum war: Ecuador wurde von zwei Erdbeben der Stärke 7,5 und 5,5 erschüttert. Das Epizentrum lag zwar bei Guayaquil und somit ein paar Hundertkilometer von uns entfernt, wir hatten es aber doch alle gut gespürt.

Wie auch in Ayampe mussten wir unser Essen vor den Katzen verstecken. Wir hatten unser Brot im Zelt in einen kleinen dünnen Rucksack verstaut, doch auch das hielt die Katzen nicht davon ab. Wir ertappten sie auf frischer Tat auf unserem Rucksack herumkauend. Das Zelt war zu gewesen…

In Canoa hatten wir weitaus mehr Regen als in Ayampe. Ganze zwei Tage regnete es fast durchgehend. Am Tag vor der Abfahrt trocknete es zum Glück komplett ab, denn die unbefestigte Straße vor dem Il Tramonto wurde schon bei wenig Regen zu einem Schlammloch. Am Tag der Abreise wollten wir ganz früh aufstehen und losfahren. Doch der Regen machte uns wieder einen Strich durch die Rechnung. So warteten wir und warteten und um 11 Uhr hörte es dann endlich auf. Nur: Die Straße war wieder voller Matsch und tiefer Pfützen. Nachmittags hatte sich der Zustand der Straße zwar nicht um 180 Grad gedreht, aber zumindest wollten wir versuchen durchzukommen. Zum Glück schafften wir es ohne Umfaller auf die Hauptstraße und somit nach Pedernales, wo wir Zwischenübernachteten bevor es weiter nach Mindo, in die Berge, ging.

 

Die Straße nach Mindo war wenig befahren und einfach ein Traum. So vergingen die knapp vier Stunden wir im Flug und wir kamen fast trocken in Mindo an. Unterwegs hatte es zum Glück nur wenig geregnet. Mindo selbst ist ein kleiner, netter Ort mitten im Nebelwald. Wir blieben zwei Nächte im Hostel „Cabañas Armonía y Jardín Orquideas“, genossen das gute Frühstück, während wir die Kolibris beobachteten, und chillten in unserem hüttenartigen Zimmer. Mit einer kleinen Seilbahn ging es dann hoch über den Nebelwald mit einer anschließenden kleinen Wanderung zu den Wasserfällen. Nachdem sich unsere Haut etwas von den unzähligen Mosquitostichen erholt hatte, hieß es für uns Aufbruch gen Osten.


Eat, Sleep & Surf in Montañita und Ayampe /Ecuador: 26.1.-20.02.2019

 

Der Grenzübergang war im Gegensatz zum letzten (Chile – Peru) ein Spaziergang. Wir trafen einen anderen Motorradreisenden aus der Schweiz, der uns Tipps gab und so war die Grenze dieses Mal eine Sache von einer Stunde. Wir wurden nicht einmal kontrolliert. Auf der anderen Seite (Grenzübergang Ecuador – Peru) sah man einige große Zelte mit tausenden von Flüchtlingen aus Venezuela. Da diese in Ecuador nicht (oder nur bedingt) bleiben dürfen, reisen die meisten nach Peru weiter. Landschaftlich kam mit der Grenze der nahtlose Wechsel von Wüste zu Dschungel. Alles war auf einmal grün und wir fuhren durch Bananenplantagen. Mit dem vielen Grün wurde es aber auch tropischer und feuchter.

 

Nach einem Übernachtungsstopp in Machala fuhren wir so gut es ging um die zweitgrößte Stadt Ecuadors, Guayaquil, herum. Der Verkehr in Ecuador ist zwar etwas entspannter als in Peru, in den Städten ist es aber, wie wahrscheinlich überall auf der Welt, sehr chaotisch. Aber zumindest hatten wir dieses Mal keine Todesängste auszustehen. Wir fanden für die Nacht einen kostenlosen Platz zum Campen im „Parque Lagoa“, eine Art „Recreation Park“, für die gestressten Großstädter aus Guayaquil. Wir wurden von einer ecuadorianischen Familie zum BBQ eingeladen und Kai war glücklich (es gab endlich wieder Fleisch). In der Nacht fing es an zu regnen und es regnete den ganzen Vormittag immer wieder weiter. So saßen wir im Zelt und überlegten wie wir alles einigermaßen trocken einpacken konnten. Letztendlich mussten wir das Innenzelt heraustrennen und eine kurze Regenpause nutzen um alles schnell zusammen zu raffen und aufzuladen. Wir zogen vorsichtshalber die Regenklamotten über die Motorradkleidung, doch es regnete nicht mehr. Dafür machten wir eine Schwitzkur auf den Motorrädern unter diesen zwei Lagen Kleidung.

 

In Montañita angekommen installierten wir uns im „Montañita Surf Camp“. Leider mussten wir unser Zelt direkt neben der Bar aufbauen, aber man sagte uns, die Musik würde um 23 Uhr, spätestens 24 Uhr, abgestellt werden. An dem Tag hatte es leider keine Wellen, aber wir genossen einfach so die Atmosphäre und badeten bei 26 Grad im Meer. Die Musik ging dann natürlich bis zwei Uhr morgens… Ein bis zwei Nächte macht man das mal mit, aber nicht für länger. Und das Wochenende stand ja noch nicht mal vor der Tür. So gingen wir surfen, fuhren nach der zweiten Nacht dann aber weiter nach Ayampe zu den „Cabañas del Iguana“. Ayampe ist ein kleinerer Ort, ausgestattet mit einem Beachbreak. Hier fanden wir unser kleines Paradies mitten im Dschungel: überdachte Zeltplätze, eine große Küche und eine sehr schöne Chillarea mit Hängematten. Da wir schon am Anfang unseres Trips gelernt hatten zu Beiben, wenn es einem gut gefällt und weiter zu fahren wenn nicht, blieben wir ganze drei Wochen. Eigentlich wollten wir maximal eine Woche bleiben, aber Ayampe ließ uns einfach nicht los. Jeden Tag ging es zum Surfen, wir relaxten in den Hängematten, genossen die Sonnenuntergänge und lernten viele Gleichgesinnte kennen. Dieses Mal natürlich Surfer. Wir schlossen Freundschaften, kochten viel zusammen und unser französischer Freund spielte uns ab und an auf seiner Gitarre etwas vor. Zwischendurch waren wir aber auch fleißig und lernten Spanisch, arbeiteten an der Homepage oder bildeten uns weiter. Ayampe ist einfach ein magischer Ort. Alle grüßen sich und sind freundlich, man fühlt sich einfach direkt willkommen.

Fast täglich kam Fernando mit seinem fahrenden Obst- und Gemüseladen vorbei und Fisch bzw. Shrimps konnte man bei seinem Kollegen frisch aus dem Meer kaufen. So wurde dieser Aufenthalt auch zu einem kulinarischen Hochgenuss. Von Geschnetzeltem in Erdnuss-Kokos-Soße, über Shrimps mit Knoblauch und Petersilie, bis zu Rucola-Spinat-Senfblätter-Pesto, probierten wir alles aus. Trotz dem vielen Surfen nahmen wir somit, gegen den Erwartungen, leider nicht ab.

Außer, dass ganze viermal ein großer Leguan unser Zelt als Toilette benutzte und Baptiste (unser Freund aus Frankreich) sich beim Surfen eine Platzwunde zuzog, kam es zu keinen weiteren Zwischenfällen. So konnten wir uns mal so richtig von der ganzen Fahrerei erholen und blieben zum ersten Mal länger an einem Fleck. Auf dem ganzen bisherigen Trip verweilten wir nur dreimal eine Woche an einem Ort, sonst immer nur wenige Tage. Ayampe war für uns auch der erste Ort, an dem wir uns so wohl fühlten und es uns so gut gefiel, dass wir uns vorstellen konnten dort für länger zu bleiben. Leider hat aber alles irgendwann ein Ende (wir wollen ja irgendwann noch in Alaska ankommen) und so verließen wir schweren Herzens Ayampe, und unsere Freunde, um weiter gen Norden nach Canoa (auch ein Surfspot) zu fahren. Wir kommen aber auf jeden Fall wieder!


Surfen in Huanchaco, chillen in Lobitos und Swisswassi: 12.01.-26.01.2019

 

Nachdem die Fahrt von Casma nach Huanchaco wieder super anstrengend war (es ging durch viele Ortschaften und eine größere Stadt) und mich kurz vor dem Ziel in einem Kreisverkehr fast ein LKW abgeschossen hatte, waren wir Gott froh endlich heil anzukommen. In Huanchaco wohnten wir in einem Hostel (Hostal Los Esteros) direkt am Spot. Von der Dachterrasse aus konnten wir morgens schon die Wellen beobachten, während unsere Bikes sicher in der Küche der Surfschule standen (siehe Foto). Vier Tage gingen wir surfen und genossen die Atmosphäre in dem kleinen Ort. Das Essen war sehr günstig (1-2€) und ein Burgerladen wurde zu unserem Stammlokal. Wir gingen sogar zwei Mal in eine Pizzeria und gönnten uns Calzone (2,5€!). Am Wochenende hatte man zwar etwas mit „Localism“ im Wasser zu kämpfen (Kai wurde beschimpft, als er eine Welle nehmen wollte) und es war dementsprechend viel los am Strand und im Wasser, unter der Woche war es jedoch angenehm ruhig. Abends genossen wir den Sonnenuntergang auf der Dachterrasse mit Happy Hour Drinks: 2 Pisco Sour für 4€ (Pisco Sour besteht aus Pisco, Traubenschnaps, Limette, Sirup und Eiweiß – so komisch es klingt, so gut ist es jedoch).

 

Schweren Herzens fuhren wir dann weiter nach Lambayeque, als Übernachtungszwischenstopp auf dem Weg nach Lobitos. In Lambayeque stimmte die Adresse des Hotels auf Booking.com mal wieder nicht und wir mussten uns von einem Tuktukfahrer den Weg zeigen lassen (er fuhr netterweise voraus und wir hinterher).Als Dank musste Kai einen Chicha-Schnaps mit den Locals auf ex trinken. Am nächsten Tag ging es weiter nach Lobitos. Nach fast sieben Stunden Fahrt kamen dann noch anstrengende 10 Kilometer Dirtroad dazu. Vor lauter Erschöpfung legte es mich dann auf den letzten Metern auf einem steileren Kiesstück. Das blöde Navi hatte uns völlig blind geleitet – rechts und links hätte es auch eine normale Straße gegeben! Zum Glück blieb wieder alles heil, jedoch kamen wir entnervt und fix und fertig am Surfcamp „El Cuartel de Lobitos“ an. Wir schafften es gerade noch so das Zelt aufzuschlagen und mussten dann erst mal wieder klarkommen. Eigentlich kamen wir zum Surfen. Jedoch erklärte uns der Campbesitzer, dass der Spot „Piscinas“ (direkt vor dem Camp) nur im Winter läuft und der Spot daneben „Los Muelles“ schon vor Jahren dem El Niño zum Opfer gefallen ist (Sandbank wurde zerstört). Wenn dann müsste man 2 Kilometer zum Spot „Lobitos“ selbst laufen und dort die großen Wellen nehmen. Für mich leider eine Nummer zu groß – ich war ja gerade noch am Anfang meiner Surfkarriere und froh, zumindest mit einem halben Meter Welle einigermaßen klarzukommen. Kai hatte einen steifen Nacken (ihm ist es beim Sitzen plötzlich reingefahren – tja so kann es gehen, wenn man langsam auf die 40 zugeht…) und konnte sowieso nicht surfen gehen. So waren wir zum chillen verdammt. Wir lagen zwei Tage in der Hängematte und machten Strandspaziergänge – hatten wir diesen „Urlaub“ auch noch nicht gemacht und war eine schöne Abwechslung. Wir lernten eine junge Israelin kennen, die mit ihrem Hund im Van durch Südamerika reist und bekochten uns gegenseitig.

 

Dann ging es weiter zum Campingplatz „Swiss Wassi“ bei Zorritos, nicht weit von der Grenze zu Ecuador entfernt. Ein Paradies wie aus dem Bilderbuch – Karibikfeeling am Pazifik. Wir schlugen direkt am Strand unter Kokospalmen unser Zelt auf und genossen die schönsten Sonnenuntergänge. Wir trafen einige andere Langzeitreisende und tauschten uns aus. Darunter auch eine Familie aus Deutschland, die wieder einmal bewiesen hat, dass Langzeitreisen auch mit Kindern möglich ist. Gleich am zweiten Tag kam der Platzbetreiber zu uns und warnte uns, dass ein außergewöhnlich hoher Tidenstand zu erwarten ist und es sein kann, dass eine Welle auch in unser Zelt schwappen könnte. Wir sollten doch vorsichtshalber mal alle Gegenstände aus dem Zelt nehmen. Das war uns zu unsicher und so zogen wir kurzerhand komplett um. Zum Glück! Denn der Tidenstand ging so hoch, dass es nicht nur unser Zelt unter Wasser gesetzt hätte, sondern eine Welle schaffte es sogar bis kurz vor unsere Motorräder und zu den Bungalows, was einiges Aufräumarbeiten nach sich zog. Alle Männer packten mit an und bauten eine Mauer aus Sand um für eine weitere Welle gewappnet zu sein. Diese Maßnahme half und so schaffte es nur noch eine Welle kurz hinter diese Mauer. Als Belohnung gab es für die Helfer Bier, was Motivationsgrundlage für die nächste Mauer am nächsten Tag war.

Bis auf diese kurze Aufregung genossen wir ansonsten die Ruhe, relaxten und Kai wartete die Motorräder. Immerhin hatten wir nun schon knappe 7.000 Kilometer in Südamerika abgespult. Das einzige was das Paradies trübte war die vorherrschende Wasserknappheit. Uns einzuschränken war nicht das Thema, aber die Bevölkerung litt immens unter dieser Dürre und gingen verständlicherweise auf die Straße um Blockaden zu errichten, da statt den Einheimischen nur die Hotels mit Wasser beliefert wurden. Zudem ist der Müll ein riesiges Problem in Nordperu. Wir fuhren teilweise durch einzige Mülllandschaften. Einfach nur traurig. Nachdem wir wieder Kraft getankt hatten, machten wir uns auf den Weg nach Ecuador. Mal sehen wie dieser Grenzübergang verlaufen würde…

 


Campen am Kitespot in Paracas, zittern durch die Hölle in Lima, Abstecher in die Berge nach Huaraz: 04.01.-12.01.2019

 

Frühmorgens ging es dann weiter nach Paracas. Zwar nicht weit entfernt von Huacachina, jedoch auf Grund des Verkehres sehr anstrengend zu fahren. Wir durften auf einem öffentlichen Parkplatz (sandiger Untergrund) neben einer Kitestation unser Zelt aufschlagen und die Toiletten benutzen, da wir immer wieder etwas konsumierten. Der Wind kommt an diesem Flachwasserspot ab mittags schrägablandig und ist in der Abdeckung einer Villa etwas böig. Da dies der einzige Flachwasserspot an der Küste Nordchiles, Perus und Ecuadors ist, hatten wir in Nordchile kurzfristig unseren Kitestuff (25kg) vorgeschickt nach Costa Rica, da es für uns nicht so sinnvoll erschien das ganze Geraffel weitere 5000km mit uns rumzuschleppen, durch die Wüste und Berge. Es gibt zwar unzählige Weltklasse Wave-Kitespots entlang der Küste, das übersteigt aber derzeit leider noch unser Können. Hätten wir gewusst, dass unser Kitestuff im Zoll von Costa Rica hängen bleibt und wir einen Haufen Lehrgeld zahlen müssen, hätten wir diese Entscheidung sicherlich nicht getroffen… Aber hinter her ist man bekanntlich meistens schlauer. Nun saßen wir also ohne Kitestuff an einem tollen Spot und uns blutete das Herz. Wir versuchten zwar noch mit der Kitestation einen besseren Preis zu verhandeln, um zumindest einen Kite ausleihen zu können (das Surfbrett hatten wir ja noch und mit diesem waren wir auch schon Kiten) doch waren selbst 40 $ einfach zu viel. Die riesigen Quallen und das viele Seegras hätte es aber umsonst gegeben. Zudem war Wochenende und entsprechend viel los auf dem Wasser. So fanden wir Trost in der täglichen Happy Hour (2 Cuba Libre für insgesamt 4,5€!) und konnten trotzdem die schöne Stimmung genießen. Die Nächte waren (trotz Wochenende) angenehm ruhig, nur ab und zu hörte man einen liebeskranken Seehund. Diesen hatten wir morgens schon ab und zu im Wasser gesehen. Am letzten Abend saßen wir noch mit Ilse und Elmar aus Villingen-Schwenningen zusammen – es war echt schön mal wieder Schwäbisch zu hören und zu schwätzen.

 

Eigentlich wollten wir im Süden von Lima, in Pulpos, noch Wellenreiten gehen, doch die Unterkunft, die wir gebucht hatten, gab es nicht mehr! So irrten wir in dem kleinen Ort herum und versuchten noch eine andere Unterkunft aufzutreiben – vergeblich. Auch das andere Hostel, ein paar Kilometer südlich, war nun ausgebucht. So buchten wir kurzerhand eine verfügbare Unterkunft in Lima und fuhren nochmals eine halbe Stunde durch den chaotischen Stadtverkehr der Millionenstadt.

 

Am nächsten Morgen fuhren wir um 7 Uhr los um nicht voll in die Rush Hour zu kommen (die herrscht jedoch sogar nach Aussage Einheimischer dort immer). Unsere Schutzengel hatten damit eine sehr anstrengende Frühschicht: Fünfspurige Autobahn, jeder überholt wie er will, man wird immer weggedrängt und ein paar Mal krachte es um ein Haar. Einmal rollte sogar eine Kokosnuss über die Fahrbahn. Wir zitterten zwei Stunden sechzig Kilometer durch diese Hölle und waren danach völlig erschöpft und froh, das Ganze ohne Unfall überstanden zu haben. Hätte es einen von uns gelegt, wäre der nachkommende Verkehr über einen drüber gerollt wie eine Herde wildgewordener Rinder… In Medio Mundo, nördlich von Lima, installierten wir uns auf einem Campingplatz und verbrachten dort eine Nacht, um am nächsten Tag weiter nach Huaraz in die Berge zu fahren. Die Bergstecke war eine willkommene Abwechslung zur eintönigen Wüstenlandschaft. Wenn gleich man auch hier höllisch aufpassen musste, nicht von einem Bus von der Fahrbahn gekegelt zu werden. Huaraz selber ist jetzt nicht sonderlich hübsch, wurde aber auch 1970 durch ein heftiges Erdbeben fast komplett zerstört. Wir wohnten zwei Tage in einem Hostel (Nery Lodging) für umgerechnet zehn Euro die Nacht (zu zweit inklusive Frühstück). Wirklich schön zu sehen ist, dass in Huaraz viele Peruaner noch richtig traditionell gekleidet sind, mit den typischen Hüten und Tüchern. Nur an den Anblick der aufgehängten toten Hühnchen an den Straßenständen und den kleineren Läden konnten wir uns nicht gewöhnen.

 

Wir fuhren extra drei Stunden zur Laguna Paroń um den Berg Artesonraju (ziert das Logo von Paramount Pictures) zu sehen, doch dieser hielt sich leider hinter dem Nebel versteckt. Auch sonst sahen wir leider immer wieder nur in einer Wolkenlücke die hohen, schneebedeckten, Berge. Der Abstecher nach Huaraz hat sich aber dennoch gelohnt: die Rückfahrt war das Kurvenparadies schlecht hin und der Traum eines jeden Motorradfahrers. Nur die Straßen hatten durch den Regen sehr gelitten. Neben Steinschlag (oder eher Fels) war teilweise die komplette Straße unterspült und so hatten wir ein paar sehr anstrengende Offroadpassagen hinter uns zu bringen. Nach einem Übernachtungsstopp in Casma ging es dann weiter nach Huanchaco ans Meer.

 


Hola Peru! 1000km entlang der Küstenstraße und Silvester in Huacachina: 26.12.2018 – 04.01.2019

 

Der Grenzübergang sollte recht einfach sein, wir wussten ungefähr wo wir hinmüssen und welche Formulare wir für die Motorräder benötigten. Nach einer Stunde dachten wir, wir hätten es geschafft. Falsch gedacht! Da soll sich mal noch einer über die deutsche Bürokratie beschweren! Stempel hier, Stempel da, dann noch an diesen Schalter und ach, das benötigen wir auch noch! 10 Stempel später durften wir dann auch noch alles (!) abladen und durch einen Scanner (wie am Flughafen) schicken und unsere Koffer wurden durchsucht, zur Sicherheit noch mit einem Drogenhund. Drei Stunden später hatten wir es dann endlich geschafft: Willkommen in Peru! Nun hieß es Kilometer machen. Wir hatten ja nur noch 200 an diesem Tag vor uns… Doch nach der ersten Stadt kam gleich mal eine Kontrolle. Ernsthaft?! Also gut: Dokumente vorgezeigt, Beamter verschwand im Gebäude damit, kam Gott sei Dank mit allen Dokumenten wieder raus (weiß man hier ja nie) und dann durften wir endlich weiterfahren. Die Fahrt wurde landschaftlich dann aber immer schöner. Sogar richtig grün! Schnitzelfertig kamen wir in Ilo an und wollten nur noch ins Hostel. Doch wir fanden es nicht. Dann stellte sich heraus: auf Booking.com war eine andere Adresse angegeben! Zum Glück war es ja nicht warm und Hunger hatten wir ja auch nicht und die richtige Adresse war 15 Minuten Fahrt entfernt…

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Camana. Die Straße war eine der schönsten Streckenabschnitte bisher. Super viele schöne Kurven und eine sehr abwechslungsreiche Landschaft. Einmal fuhren wir sogar an einem kleinen Wasserfall vorbei und zum Schluss waren die Berge mit weißem Sand bezuckert. Das Hotel in Camana war auf Booking.com wie folgt beschrieben: „Küchenzeile in jedem Zimmer, kleiner Garten und Terrasse, Parkplätze in der Tiefgarage.“ Bis auf letzteres war alles frei erfunden! Nach langer Diskussion ließen uns die Hotelbetreiber dann in der eigenen Küche kochen. Doch für die Benutzung des Wasserkochers am nächsten Morgen musste ernsthaft dann nochmal der Chef gefragt werden. Sicher ist ja sicher…

Der nächste Tag ging wieder entlang der schönen Küstenstraße (man sah sogar Delfine in den Wellen spielen!), leider aber teilweise mit vielen Schlaglöchern. Eins hatte ich zu spät gesehen und fuhr mitten durch. Es war zum Glück nicht so tief, sodass es mich nicht aushebelte, dafür saß ich mit dem Motorschutz mal wieder auf. Mein armes Pony… In Chala übernachteten wir nicht ganz günstig (alles andere war ausgebucht), dafür direkt am Strand und es gab endlich mal wieder ein gutes Frühstück.

Dann ging es weiter nach Nazca und die Straße wurde immer noch besch…eidener. Das war eher ein Schweizer Käse als eine Straße! Diese war stellenweise aufgebrochen und es hatte so viele Schlaglöcher, sodass wir nur 20-30 km/h fahren konnten und trotzdem das eine oder andere Schlagloch mitnahmen. Dazu kam der bekloppte Fahrstil der Peruaner. Als Motorradfahrer wird man hier nicht als Verkehrsteilnehmer anerkannt, sondern eher als lästiges Hindernis gesehen. So kam es vor, dass ein LKW auf der Gegenfahrbahn anfing zu überholen, während ich noch an ihm vorbeifuhr. Ich konnte gerade noch ausweichen.

Die letzte Nacht vor Huacachina verbrachten wir in Nazca und schauten uns am nächsten Morgen noch die Nazca Linien an (siehe Foto). Die weitere Fahrt war die Hölle. Tausende LKWs die einen an den unmöglichsten Stellen überholten. Zweimal hätte es um ein Haar vor uns gekracht. Wir waren so froh endlich in Huacachina anzukommen, es war brütend heiß und wir waren völlig k.o. Doch dort angekommen haute uns der Preis für den Ecocamping schier vom Hocker: 70 Soles (ca. 18 Euro) pro Person (!) für die Übernachtung in einem Mini-Zelt!!! Und wenn wir unser eigenes Zelt aufbauen wollten würde das sogar nochmal mehr kosten, da dieses größer ist! Verstehe einer diese Logik! Die hatten sie doch nicht mehr alle! Wir gingen alle Optionen durch, überlegten weiter zu fahren, aber die letzten 1000km saßen uns ganz schön in den Knochen und wir mussten uns dringend ausruhen. Also entschieden wir uns zumindest eine Nacht zu bleiben. Wir diskutierten zwar immer wieder mit den Mitarbeitern, aber diese blieben hart. Zum Glück kamen wenig später noch Idrissa und Simon aus München (unterwegs mit einem VW T5) und die Australier Clary und Robert (mit denen wir schon Weihnachten gefeiert hatten). Idrissa und Simon boten uns an zur Not bei ihnen im Bus zu schlafen, da man für einen Bus zu zweit nur 70 Soles zahlt. Am nächsten Tag ging Robert mit dem Chef des Platzes auf Buggy Tour durch die Dünen und legte ein gutes Wort für uns ein. So durften wir nun für 50 Soles zu zweit (ca. 12 Euro) mit im T5 schlafen. Wie gütig! Wenig später kam dann sogar nochmal der Mitarbeiter vorbei und bot uns an, für 50 Soles im Zelt zu bleiben. Ach, auf einmal geht alles oder wie?! Verstehe einer die Peruaner… Aber so wurde unser Aufenthalt in der Oase mitten in den Sanddünen doch noch richtig schön (bis auf die ersten zwei Nächte mit lauter Musik bis morgens um halb 7 im Hostel gegenüber…): wir verbrachten viel Zeit am und im Pool, wanderten zum Sonnenuntergang auf die Sanddünen hoch und saßen abends alle zusammen beim BBQ und Lagerfeuer, nachdem Robert wieder die „Happy Hour“ eingeläutet hatte. Silvester in Boardshort war auch eine tolle Erfahrung und hatte schon was für sich. Daran könnte man sich glatt gewöhnen. Zum warm up ging es mittags schon in den Pool an die Bar, abends dann großes BBQ, eine Familie aus Frankreich gesellte sich dazu und nach Mitternacht kam Robert wieder mit seiner Aprés-Ski-Musik (bzw. Aprés-Beach, so hieß die Bar der zwei Australier) um die Ecke. Nach vier Tagen in der Oase war es wieder Zeit weiter zu fahren. Nächster Stop: Paracas.