Reiseblog Australien

2.12.-20. 12.2019 Surfen und Christmas Carols in Port Dension, Kängurus und Koalas im Yanchep Nationalpark, Sightseeing in Fremantle und Kitesurfen in Safety Bay

Koala im Yanchep Nationalpark
Koala im Yanchep Nationalpark

Da Kai mit einer ordentlichen Erkältung zu kämpfen hatte, blieben wir zwei Tage auf dem Sunset Beach Camping in Geraldton. Da für die nächsten Tage eh kein Wind angesagt war, fuhren wir zum Tarcoola Beach auf den Campingplatz African Reef. Dort könnte man zumindest Wellenreiten gehen. Dort angekommen, wurde uns der horrende Preis von 40$ die Nacht genannt. „Wir sind hier nicht auf Backpacker eingestellt. Zu uns kommen ältere Camper. Fahrt doch zum Campingplatz Belair. Da seid ihr besser aufgehoben“, sagte die Rezeptionistin höflich, aber bestimmt. Leider ließ meine Schlagfertigkeit mich in diesem Augenblick im Stich und ich starrte die Dame nur sprachlos an. Na dann halt nicht. Wir checkten nochmals den Wind und wogen unsere Alternativen ab. Letztendlich fuhren wir nach Port Denison auf den Campingplatz Dongara Tourist Park. Die Rezeptionistin war wenigstens sehr nett am Telefon und auch der Preis von 29$ war erheblich besser…

 

In Port Denison konnte Kai sich erholen und ausruhen, während ich mich mit dem neuen Wellenreitbrett (das andere hatten wir aus Kostengründen in Los Angeles gelassen) in die kleinen Wellen stürzte. Während ich da so im türkisfarbenen Wasser saß, sah ich im Augenwinkel zufällig, dass ein recht großer Stachelrochen gemächlich an mir vorbeischwamm. Ich ruderte zurück, so bemerkte er mich und machte sich von dannen.

 

Da noch Vorsaison herrschte, bot der Campingplatz ein Special an: vier Nächte zum Preis von drei. Na da schlug das Schwaben-Herz natürlich höher. Kai war eh noch nicht fit, so bot sich das Angebot gerade zu an.

 

Am letzten Abend in Port Denison gingen wir zu „Christmas Carols in the Park“ (Weihnachtslieder im Park). Da die Aussis normalerweise nicht mit Weihnachtsschmuck geizen und alles blinkt und bunt ist, waren wir hier ein wenig enttäuscht. Gerade mal eine Lichterkette zierte den kleinen Pavillon des Parks. Von Jung bis Alt hatte sich das ganze Dorf samt Touristen versammelt und sang gemeinsam Weihnachtslieder. An diesem Tag war es mit 24 Grad sogar recht frisch und es wehte ein ordentlicher Wind der einigen, darunter uns, nach nicht allzu langer Zeit zu ungemütlich wurde. Es war trotzdem schön zu sehen wie in Australien Weihnachten gefeiert wird.

 

Weiter ging es nach Cervantes. Dort wollten wir Kiten gehen. Doch es war niemand draußen und es hatte zu viel Wind für selbst unseren kleinsten Kite. Deshalb fuhren wir weiter nach Lancelin und hofften dort auf´s Wasser zu kommen. Wir hatten Glück. Zwei Tage konnten wir kiten und sahen abends wieder Delfine in der Bucht. Da wir noch vor Weihnachten nochmal in die Werkstatt wollten, machten wir kurzfristig einen Termin aus. Auf dem Weg zurück nach Perth machten wir noch einen Halt im Yanchep Nationalpark. Dort sahen wir nicht nur Koalas, sondern endlich auch Kängurus. Ich hatte Kai versprochen, er würde in Australien Kängurus sehen. Bisher waren wir nur über ihre Hinterlassenschaften gestolpert und hatten die leblosen Überreste am Straßenrand gesehen. Nun sahen wir gleich 15 an der Zahl und sogar ein Baby schaute neugierig aus dem Beutel der Mutter heraus.

 

An der Werkstatt angekommen feierten wir mit den Mechanikern erst mal Wiedersehen und tranken Bier. Dann bereiteten wir schon mal soweit alles vor und entfernten den Fahrersitz und alles was dazugehört. Die Nacht auf dem Hof war extrem heiß und wir waren die halbe Nacht auf Mosquito-Jagd. Wir sind da ja mittlerweile ein eingespieltes Team.

 

Am nächsten Tag fingen wir gleich früh an, da wieder 40 Grad vorhergesagt waren. Gegen Nachmittag waren wir durchgeschwitzt, aber Kimberley war wieder fahrbereit. Kein Geräusch mehr! Da in Australien die Campingplätze schon meist zwischen 17 und 18 Uhr schließen, standen wir vor verschlossenen Türen. Der Campingplatz in Woodman Point war noch offen, uns mit 47$ aber zu teuer. In South Fremantle hatten wir dann Glück und mussten „nur“ 38$ zahlen. Zumindest kamen wir endlich in den Genuss einer Dusche!

 

Am nächsten Morgen war dann große Aufruhr auf dem Platz: In vier Camper wurde eingebrochen! Wir hatten zwar in der Camper App (Wiki Camps Australia) schon gelesen, dass es auf allen drei Campingplätzen im Umkreis immer wieder zu Diebstahl und auch mal Einbruch gekommen war, dass das aber gleich in so einem Ausmaß direkt neben uns passieren würde, hätten wir nicht gedacht. Kimberley war noch unversehrt und uns fehlte nichts – Glück gehabt! Für die nächsten zwei Nächte trafen wir aber verschärfte Sicherheitsvorkehrungen, versteckten alles und sicherten es so gut es ging. Jedoch schlief man nicht mit dem besten Gefühl ein und schrak immer wieder bei jedem kleinsten Geräusch hoch.

 

Wir besuchten erneut die Fremantle Markets, genossen die Abendstimmung in diesem magischen Ort und tranken unser „Sunset-Beer“ am Strand. Der Wind reichte leider nicht zum Kiten, so hofften wir auf die kommenden Tage und fuhren gen Süden nach Safety Bay. Dort kamen wir dann voll auf unsere Kosten, wenn auch die Lagune meist sehr schnell voller anderer Kiter und uns damit zu viel los war. Schnell stellte sich eine Routine ein: morgens relaxen, mittags Kiten, abends Schlafplatzsuche. Wir fanden gute Plätze zum Wildcampen an kleinen Parks oder Weihern, nur die Sprinkler raubten uns den Schlaf. Erst dachten wir, es regnet sehr stark, bis wir merkten, dass das nur die Bewässerungsanlagen sind. Einen Übernachtungsplatz am Point Peron ließen wir zum Glück aus, denn am nächsten Tag erfuhren wir, dass hier in der Nacht ein Buschfeuer ausgebrochen war! Dafür schwamm nun ein Weißer Hai in der Safety Bay herum (es gibt im Internet tatsächlich eine Seite mit Warnungen und Sichtungen, meist erfährt man es aber auch vor Ort von anderen Kitern), aber es hatte sowieso keinen Wind mehr. Zudem war unsere Kite-Pumpe kaputt. Die gesparten Dollar durch das Wildcampen mussten wir deshalb direkt in eine neue Pumpe investieren. Zum Glück hatte es direkt am Spot einen Kiteschule mit Shop.

 

Da wir Weihnachten in Lancelin verbringen wollten (wir hatten schon reserviert, die meisten Campingplätze waren schon ausgebucht) fuhren wir wieder gen Norden. Nachdem es nun wochenlang blauen Himmel und Sonne hatte, begrüßte uns der nächste Tag ungewohnt mit großen, dunklen Wolken. Wir hatten gerade zu Ende gefrühstückt und alles verstaut, als die ersten Tropfen auf uns niedergingen. Für den gesamten Tag waren Schauer vorhergesagt weshalb wir uns den Luxus einer Nacht auf dem Campingplatz in Fremantle gönnten. So konnten wir den Tag im Gemeinschaftsraum verbringen, am Laptop arbeiten und einfach mal relaxen.

 

Dann kehrten wir Perth abermals den Rücken zu und fuhren nach Lancelin. Nachdem wir vergangenes Weihnachten Wellenreiten waren, hofften wir dieses Mal auf Wind zum Kitesurfen.


22.11.-01.12.2019 Start in das Abenteuer Australien mit unserem Bus Kimberley

Kimberley im Pinnacle Desert
Kimberley im Pinnacle Desert

Endlich konnte es losgehen! Nach über zwei Wochen kehrten wir Perth den Rücken zu und fuhren gen Norden bis Lancelin. Dort hackte es aus allen Rohren und wir versuchten vergeblich Windschatten zu suchen. Unser kleinster Kite war leider viel zu groß und so saßen wir frustriert am Strand und schauten zu. Die nächsten zwei Tage konnten wir zwar vormittags Kiten gehen, dann wurde der Wind aber wieder viel zu stark. Wir brauchten einen kleineren Kite! Wir sprachen mit vielen Kitern und alle rieten uns dazu in Perth einen Kite zu kaufen. Weiter gen Norden würde es immer schwieriger werden an Material zu kommen. Also suchten wir online nach gebrauchten Kites und fuhren am nächsten Tag kurzentschlossen die 1,5h zurück nach Perth um einen 7er Kite zu kaufen. Direkt danach fuhren wir zurück nach Lancelin und probierten den Kite gleich mal aus. Sehr ungewohnt und eher wie ein Lenkdrache, fühlte sich der kleine Kite an. Aber wir waren es halt auch einfach noch nicht gewohnt. Die nächsten zwei Tage waren wir dann froh über den Kauf und gewöhnten uns immer mehr an den neuen Familienzuwachs.

 

Immer wieder kamen Delfine in die, vom Riff geschützte, Bucht, Seelöwen schauten einmal vorbei und Hasen hoppelten immer wieder über den Campingplatz. Wir trafen sehr nette Schweizer Windsurfer und Kiter und bekamen noch den ein oder anderen Tipp bezüglich Kitespots im Nordwesten.

 

Als die Windvorhersage immer weiter nach oben ging und es klar war, dass es selbst für unseren allerkleinsten Kite zu viel werden würde (35 Knoten), packten wir alles zusammen und fuhren weiter gen Norden. Im Pinnacles Desert erlebte Kimberley ihr Offroad-Debüt. Sie meisterte es mit Bravour. Weiter ging es nach Sandy Cape an einen wunderschönen Strand, leider stürmte es auch dort. So nutzten wir die Zeit und fuhren weiter bis zu einem Parkplatz auf dem man offiziell und kostenlos übernachten konnte. Dort waren wir sogar etwas windgeschützter.

 

Am nächsten Tag ging es weiter nach Geraldton. Sightseeing brachen wir jedoch nach kurzer Zeit ab, es war einfach zu stürmisch. Auch an diesem Tag nutzten wir die Zeit und fuhren weiter bis nach Port Gregory vorbei an einer pinkfarbenen Lagune. Auf dieser wollten wir eigentlich kiten. Leider war sie schon ziemlich ausgetrocknet, sodass uns davon abgeraten wurde. Deshalb fuhren wir am nächsten Tag weiter gen Norden nach Kalbarri. Dort schauten wir uns die spektakulären Klippen des Kalbarri Nationalparks an, bewunderten die „Mushroom Rocks“ und liefen durch die Hitze bis zum „Rainbow Valley“. Nach einem kurzen Lunchbreak in Kalbarri unter einem Baum voller grau-pinker Papageien (einer schenkte mir Glück auf meine Shorts, naja, wir wollten ja eh Wäsche waschen…), ging es auf den Campingplatz Murchison River. Auf dem Weg dorthin hörten wir leider wieder das altbekannte Geräusch des Abgasrohrs – bitte nicht schon wieder! Wir versuchten uns den Nachmittag am Strand abzulenken, mit mäßigem Erfolg. Der Sonnenuntergang war jedoch grandios und die abendliche Stimmung beim typisch australischen „Barbie“ (BBQ) wunderschön.

 

Auf dem Campingplatz lagen, unter den Wäscheleinen, die Hinterlassenschaften von Kängurus. Leider sahen wir die Tiere nicht in natura. Ich hatte Kai doch Kängurus versprochen! Dafür konnten wir am nächsten Morgen Pelikane bei der Fütterung beobachten.

 

Weiter ging es am nächsten Tag in den Kalbarri Nationalpark zu dem berühmten Natur-Fenster („Nature Window“, siehe Foto). Wir hatten ja noch die leise Hoffnung, dass das laute Geräusch des Abgasrohrs wieder weggehen würde. Leider war dem nicht so. In Gedanken versunken fuhren wir die einsame Straße zurück zum Highway, als es auf einmal einen lauten Schlag tat und wir neben der Fahrbahn zum Stehen kamen. Oh mein Gott! Was war das? Vorsichtig stiegen wir aus und sahen, dass es „nur“ der Reifen war. Dieser war komplett einmal aufgerissen! Wahrscheinlich war er zu alt und die Temperaturen zu heiß (es hatte an die 40 Grad). Wir hielten sofort das nächste Auto an, das vorbeikam. Wer wusste schon, wann sonst wieder ein Auto vorbeikommen würde. Wir waren schließlich mitten im Nichts und hatten natürlich keinen Handyempfang. Da half uns die zuvor abgeschlossene Pannenhilfe auch nichts. Zum Glück hatten die Fahrer des Autos einen Wagenheber und Werkzeug dabei. So konnte Kai recht zügig den Reifen wechseln. Nachdem der erste Schock überwunden war, fuhren wir langsam weiter auf den Highway und gen Süden. Eigentlich wollten wir noch etwas weiter in den Norden, das konnten wir uns nun aber komplett abschminken.

 

Die Nacht verbrachten wir am Coronation Beach. Es kam zwar noch etwas Wind, es reichte aber nicht wirklich zum Kiten und war extrem böig. Zudem waren wir einfach auch zu fertig von diesem ereignisreichen Tag. Da für den nächsten Tag, wenn überhaupt für den Nachmittag, Wind angesagt war, fuhren wir nach dem Frühstück nach Geraldton zum Reifenhändler. Dieser empfahl uns zwei neue Hinterreifen zu kaufen, die Vorderreifen seien hingegen noch in einem guten Zustand. Na, darauf kam es nun auch nicht mehr an. Wir fragten ihn ob er eine Werkstatt kennen würde, bei der wir wegen unserem Abgasrohr nachschauen lassen könnten. Glücklicherweise konnten wir das gleich bei ihm machen lassen. Der Mechaniker nahm unsere Kimberley auf die Hebebühne und schaute sich alles an. Innerhalb einer Stunde war das Abgasrohr wieder funktionsfähig. Erleichtert und um über 100 Dollar leichter, fuhren wir vom Hof. Doch das altbekannte Geräusch war immer noch da. Da half nur noch ganz viel Bier!


3.11.- 22.11.2019 Flug nach Down Under, abenteuerliche Campersuche in Perth

Unser Bus - Werkstatt Tag 1
Unser Bus - Werkstatt Tag 1

Schwaben wie wir sind (wobei ich ja nach über 20 Jahren immer noch als „Neigschmeckte“ gelte) haben wir uns natürlich den günstigsten Flug rausgesucht. Dieser war im Vergleich zwar ein wirkliches Schnäppchen (ca. 460€ pro Person), aber dafür auch mit zwei Zwischenlandungen und einer insgesamten Dauer von über 35 Stunden entsprechend anstrengend. Zudem mussten wir uns um erforderliche Visa selbst kümmern, was jedoch online kein Problem war.

 

Die Flugzeuge von Air New Zealand sind nicht nur sehr gut ausgestattet (eigene Bildschirme, viele neue Filme), sondern die Airline lässt auch kulinarisch keine Wünsche offen. So dinierten wir bei Rotwein und Bier hoch über den Wolken und zogen uns einen Film nach dem anderen rein. Beziehungsweise Kai schaute sich eine koreanische Kochsendung nach der anderen an. Ich warte ja immer noch darauf, dass er sein theoretisch erworbenes Wissen in die Praxis umsetzt 😊

 

Mit einem Stopover in Auckland/Neuseeland und Sydney/Australien landeten wir dann zwei Tage später in Perth/Australien, unserem Endziel. Eine ehemalige Studienkollegin (ich hatte 2011 in Perth ein Auslandssemester verbracht) holte uns ab und nahm uns die ersten Tage zu sich auf. Dies war uns eine unglaubliche Hilfe und wir sind ihr unfassbar dankbar! Da sie in der unmittelbaren Umgebung meiner Uni wohnt, konnte ich Kai gleich mal zeigen wo ich studiert und gelebt hatte. Außerdem gibt es direkt um die Ecke ein Einkaufszentrum und sogar einen Aldi! Dort feierte ich ein Wiedersehen mit meiner Lieblings-Zartbitterschokolade und wir freuten uns über die humanen Preise. Kai deckte sich gleich mal mit Bier ein (umgerechnet 62 Cent pro Dose!) und ich fand einen guten und günstigen Rotwein (ca. 2€). Australien ist sonst ja doch ein eher teureres Land.

 

Wir hatten von L.A. aus schon online nach Campern gesucht und schauten gleich am zweiten Tag nach Ankunft zwei Busse an. Vor allem in den ersten Händler setzten wir große Hoffnungen, da dieser online einige Campervans im Angebot hatte, die für uns in Frage kamen. Doch vor Ort erwartetet uns dann die große Enttäuschung: Es gab nicht einen (!) Bus zum Verkauf. Man zeigte uns lediglich wie ein Ausbau normalerweise aussehen würde. Die Chance, dass sie bald einen Bus ankaufen und ausbauen würden wäre sehr niedrig. Es wäre besser wir würden einen Transporter kaufen und ihn dann ausbauen lassen. Für schlappe ca. 1.500€ (ohne Kühlschrank!). Nein danke! Davor bauen wir lieber selbst ein Bett rein, wie letztes Jahr bei unserem Caddy (Ausbau Caddy).

 

Auch der zweite Van war eine Enttäuschung. Viel zu alt und in einem heruntergekommenen Zustand und das für viel zu viel Geld. Frustriert schauten wir uns auf dem Rückweg Perth Downtown an und fuhren mit Zug und Bus zurück zum Haus. Dort ging die Suche gleich weiter. Es musste doch einen bezahlbaren Camper für uns geben!

 

Die nächsten zwei Tage stand keine Besichtigung an und so verbrachten wir die zwei heißesten Tage der Woche (über 35 Grad) mit Sightseeing in Fremantle und am Strand. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Perth und Umgebung sind sehr gut vernetzt und wenn man über Spar-Tickets (ja ja, die Schwaben wieder) gut informiert ist, kann man bares Geld sparen. So kann man ein „Day-Rider“ Ticket kaufen (ca. 8€) und den ganzen Tag durch Perth und Umgebung fahren (Busse, Züge und Fähren inklusive). Am Wochenende wird es noch besser, da kann man ein „Family-Day-Rider“ Ticket erwerben mit dem bis zu sieben Personen für den gleichen Preis (ca. 8€) den ganzen Tag alle Transportmittel nutzen können. Nur ist man mit vielen Umsteigen sehr lange unterwegs. Um einen Van anzuschauen saßen wir meisten 1-1,5 Stunden im Bus bzw. Bahn.

 

Dann standen wieder zwei Besichtigungstermine an. Für den ersten mussten wir 1,5 Stunden in den Süden fahren. Schon von außen sah der Bus leider sehr heruntergekommen aus. Innen war es etwas besser, jedoch funktionierte der Kühlschrank nicht. Die Verkäuferin machte den Motor an und dieser ratterte ordentlich und schwang hin und her. Zudem hörte er sich nicht wirklich gesund an. Auf einmal ging er ganz aus. Die Besitzerin versuchte verzweifelt den Motor wieder zu starten, aber der Bus wollte wohl nicht verkauft werden. Tja, dann können wir ja jetzt wohl wieder gehen…, dachten wir uns. Es war der Verkäuferin so unangenehm, dass sie uns zur nächsten Bushaltestelle fuhr. Sonntags fahren die Busse hier nämlich nur im Stundentakt.

 

Wir fuhren direkt durch bis Perth City und besichtigten den zweiten Van an diesem Tag. Dieser sagte uns auf Anhieb zu und auch die Besitzer, ein junges Pärchen aus Slowenien, war uns auf gleich sympathisch. Fast hätten wir direkt zugeschlagen. Zum Glück nicht, denn wir hatten durch die vielen verschiedenen Anzeigen die Fakten durcheinandergebracht und der Van war nicht wie gedacht aus 2008 sondern aus 1997. Somit leider zu teuer für das Alter. Dafür ausgestattet mit zuschaltbarem Allrad. Nun mussten wir uns überlegen ob wir mehr Geld in die Hand nehmen wollten um ein Allradfahrzeug zu bekommen. Wir mussten ja auch an den Wiederverkauf denken.

 

Die nächsten zwei Tage schrieben wir Anfragen und inserierten unsere Suche in verschiedenen Portalen. Leider mit mäßigem Erfolg. Langsam wurden wir unruhig. Wir wollten auch nicht ewig meiner Studienkollegin auf den Senkel gehen. Es musste endlich ein Bus her! Deshalb absolvierten wir an den zwei darauffolgenden Tagen einen Bus-Besichtigungs-Marathon. Und das bei fast 40 Grad im Schatten! In die erste Besichtigung hatten wir die größten Hoffnungen gesetzt und wurden bitter enttäuscht. Die Fahrertür schloss nicht komplett ab und fiel schier auseinander, weil versucht wurde einzubrechen. Ach wie schön! Die Heckklappe schloss auch nicht ab – keine Ahnung warum. Wahrscheinlich wegen einem Unfall, ließen zumindest die Delle und die verbogene Stoßstange vermuten. Und übrigens: Da ist ein Wespennest in der Fahrertür! Natürlich war der Bus auch nicht ansatzweise geputzt und es befanden sich allerlei Kruscht und Müll in dem Bus. Der Verkäufer wusste nicht einmal wie man das Bett zu einer Sitzgruppe umfunktioniert…

 

Also ging es weiter zum nächsten Termin. Wir kamen an und bekamen gleich einmal die Nachricht, dass der Bus gerade eben verkauft wurde. Vielen Dank auch! Aber es hätte einen anderen Bus mit ähnlichem Ausbau, aber für mehr Geld, mehr Kilometer und ein älteres Fahrzeug. Ernsthaft? Sicherlich nicht. Entsprechend frustriert und niedergeschlagen ging es zurück zum Haus.

 

Neuer Tag, neue Hoffnung. Nur noch heißer als am Vortag. Wir saßen wiedermal eine Stunde im Bus bis wir am Ziel angelangten. Diese Möhre, die im Hof stand, war ja hoffentlich nicht zum Verkauf. Wir betraten die Halle und wir waren erleichtert einen recht gut erhaltenen Van zu sehen. Aber nein. Dieser stand nicht zum Verkauf! Es handelte sich tatsächlich um den Bus, der im Hof stand. Oh mein Gott… Dieser Kia Pregio fiel schon schier auseinander und einige Teile wurden nur mit Kabelbindern vor dem völligen Verfall gerettet. An manchen Stellen war die Außenwand sogar schon fast durchgerostet. Aber, wir hatten kaum Alternativen und nicht mehr so viel Zeit. Also gaben wir dem Van eine zweite Chance und schauten uns den Ausbau genauer an. Als bei der Probefahrt dann aber alles schepperte und wir sahen, dass zwei Reifen fast komplett abgefahren waren, machten wir uns vom Acker. Verzweifelt schrieben wir erneut Anfragen an Verkäufer bezüglich Besichtigungsterminen (wir hatten am Abend zuvor Anfragen geschrieben, aber keine Antworten erhalten). Wir schindeten etwas Zeit in Perth City und gönnten uns 1$ Hamburger bei McDonald´s. Nach einem kurzen Besuch im King´s Park ging es zum letzten Termin an diesem Tag. Die anderen zwei Verkäufer hatten sich leider nicht mehr gemeldet.

 

Eigentlich wollten wir keinen Bus älter als zwanzig Jahre, aber wir mussten langsam ganz schön Kompromisse eingehen. Dieser Bus war sogar 25 Jahre alt, stand für das Alter aber recht gut da.

 

Da die Alternativen nicht viel besser aussahen und unser Gefühl einigermaßen passte, entschieden wir uns dazu diesen älteren Bus zu kaufen. Jedoch zog sich die Verhandlung den ganzen Tag in die Länge, letztendlich wurden wir uns aber einig. Nachdem wir das ganze Bargeld (eine Überweisung aus Deutschland hätte zu lange gedauert und die Bankautomaten geben pro Tag nur einen bestimmten Betrag aus) aufgetrieben hatten und den Bus abholen wollten, ging die Odyssee jedoch weiter. Das Besteck fehlte („Oh, habe ich vergessen zu spülen“), die Kühlbox ging nicht, der original Außenspiegel fehlte etc. etc. Wir waren langsam nervlich am Ende und kurz davor alles abzublasen. Aber wir wollten endlich einen Bus und losfahren!

 

Am nächsten Tag kauften wir dann noch ein Wellenreitbrett und waren somit startklar. Nur noch einkaufen und den Bus bestücken. Doch auf einmal wurde ein Geräusch am Motor immer lauter. Naja, der Bus war alt. Vielleicht musste man sich einfach nur an gewisse Geräusche gewöhnen. Per Zufall fuhren wir bei einem Schrottplatz vorbei um einen neuen Außenspiegel zu kaufen, als wir auf den Hof fuhren hieß es: „Der Motor ist aber sehr laut. Da sollten wir mal drunter schauen.“ Letztendlich öffneten wir damit die Büchse der Pandora, verbrachten drei Tage in der Werkstatt, halfen viel mit um Kosten zu sparen und tranken sehr viel Bier. Nachdem alles wieder gerichtet war kam die nächste Hiobsbotschaft: Die Achsen mussten vermessen und die Räder angeglichen werden. Und nochmal zahlen. Als wir dann endlich aus der Werkstatt draußen und startklar waren, dankten wir nochmals für die Engel die uns geholfen hatten. Denn diese Mechaniker waren mittlerweile zu unseren Freunden geworden und hätten sie uns nicht so geholfen, hätten wir weitaus mehr Geld liegen lassen müssen. Dafür sind wir unendlich dankbar. Auch, dass wir über zwei Wochen bei meiner Studienkollegin wohnen durften, war weitaus mehr als wir erwartetet hatten. In einem Hostel oder Airbnb hätte uns das ganz schön schnell finanziell ausgezogen. Zudem kamen wir so in den Genuss von sehr guter pakistanischer Küche, wir revanchierten uns im Gegenzug mit Deutscher Hausmannskost.

 

Das Abenteuer Australien konnte nun beginnen!